Die erste Bonner Socialbar

… vergangene Woche war ein voller Erfolg. Mit mehr als 50 Teilnehmern schien der Tagungsraum in der Deutschen Welle proppevoll. Zur Premiere der Bonner Socialbar, die Web-Aktivisten, Social Entrepreneurs, NGOs, ehrenamtliche Helfern, Politiker und Unternehmen mit sozialer Verantwortung einen Austausch bieten möchte, hatten Beschäftigte von der Deutschen Welle und Inwent ins Funkhaus am Rhein geladen. Dabei war der Empfang schon sehr rheinisch: Es gab Kölsch vom Fass!


Allerdings auch gleich zu Beginn ein kleiner Wermutstropfen: Der Sevenload-Vortrag fiel ins Wasser, da Axel Schmiegelow, Geschäftsführer (CEO) von sevenload.com und Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) am Flughafen festsaß. Es war geplant, dass Schmiegelow den „Einstieg ins Thema Web 2.0“ macht.

So war es an Daniel Kraft von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) die Socialbar inhaltlich zu eröffnen. Er stellte die Online-Instrumente vor, die die bpb in der Kommunikation einsetzt. Sympatisch offen erklärte Kraft, dass es bei der bpb nicht den einen Social-Media-Masterplan gebe. Es gehe bei derm Umgang mit den Kanälen Twitter, Facebook oder wer-kennt-wen.de immer auch darum, Erfahrungen zu sammeln. „Wir stehen am Anfang eines Lernprozesses“, so Kraft. „Wir lernen, wie wir was und mit welcher Strategie angehen müssen. Wenn wir merken, etwas klappt nicht, dann sollte man auch den Mut haben, sich das einzugestehen und die Strategie zu ändern. Oder sogar das ein oder andere Projekt in dem ein oder anderen sozialen Netz wieder aufgeben.“

Die zweite Runde ging an Gerald Neu, der das Ernährungsportal „das-ist-drin.de“ (DID) betreibt. Das solle Menschen dazu bringen, sich Gedanken über Inhaltsstoffe in Lebensmitteln zu machen“, so Neu. Das Portal ist nach dem Wikiprinzip aufgebaut. Jeder kann mitmachen, Produkte ergänzen, bearbeiten oder neu anlegen und so dazu beitragen, dass die Fülle der auf dem Markt erhältlichen Produkte so umfassend wie möglich abgebildet wird. Auf www.das-ist-drin.de können Nutzer Informationen über Lebensmittel eintragen – von den Zutaten bis hin zu möglichen Unverträglichkeiten.

Er habe die Erfahrung gemacht, dass Lebensmittelhersteller sich vor dem fürchten, was Verbraucher über sie in einem Portal wie das-ist-drin.de schreiben – dies könne sich schließlich auf den Verkauf auswirken. „Was viele Unternehmen auch noch nicht verstanden haben: Ein Angebot wie dieses ist ein Kommunikationskanal – kein Werbekanal.“ Trotzdem ist DID strategisch zwischen Verbraucherschutz-Organisationen hier und Lebensmittelindustrie dort platziert. Auch ein Hersteller kann einen Zugang bekommen und Produkte einpflegen.

Nach den beiden gelungenen Themensessions gab es eine offene Diskussionsrunde:

Es sei wichtig, klare Ziele und Strategien zu definieren, bevor man Aktivitäten im Web 2.0 starte, darauf wies z.B. ein Teilnehmer der Socialbar hin. Man lerne immer dazu und Erfahrungswerte im Web seien wichtig, war die Entgegnung darauf und es wurde – gerade für weniger webaffine NGOs – „mehr Mut zu beta“ und zum Ausprobieren gefordert.

Wie man den Erfolg von Online-Maßnahmen definiert – gerade, wenn man, wie die bpb bildungs- und dialogorientiert unterwegs ist – war eine weitere Frage der Diskussion. Dazu gab es letzte Woche keine letzte Antwort, aber eben die Erfahrung einiger Teilnehmer, dass es vielerorts dieselben Fragen gibt – und man in solchen Runden gemeinsame Antworten finden könne.

Der Abend endete in lockerer Runde vor dem Kölschfass, wobei eine Veranstalterin noch sagte, sie hoffe, es sei für NGOs kein Problem, öffentlich-rechtliches Bier zu trinken. War es nicht. Die Diskussionen gingen dort weiter – mit dem einheligen Votum: Socialbar Bonn? Unbedingt weitermachen!

Es gab auch genügend Teilnehmer, die sich vorstellen konnten, die Bonner Socialbar in ihr Haus einzuladen, so dass in Zukunft vielleicht sogar einen wechselnder Spielort möglich ist.

PS: Die zweite Socialbar steht in den Startlöchern: socialbar.de/wiki/Bonn

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