Archiv des Autor: Melanie

Habermas Nachlese

Anlässlich der Dienstag auf dem Bonner Petersberg eine Rede über den stockenden europäischen Prozess gehalten, die es in sich hat. Der Kölner Stadtanzeiger dokumentiert die Rede heute in Auszügen. Der Perlentaucher liefert das passende Appetithäppchen zum Weiterlesen:

„Das Europa-Thema ist entwertet, man beschäftigt sich lieber mit der nationalen Agenda. Bei uns umarmen sich in den Talkshows Großväter und Enkel in der Rührung über den neuen Wohlfühlpatriotismus. Die Gewissheit heiler nationaler Wurzeln soll eine wohlfahrtsstaatlich verweichlichte Bevölkerung für den globalen Weltkampf ‚zukunftsfähig‘ machen. Diese Rhetorik passt zum gegenwärtigen Zustand einer sozialdarwinistisch enthemmten Weltpolitik.“

Staatspreis NRW 2006 für Jürgen Habermas

In feierlichem Rahmen wird Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) dem Philosophen und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Habermas heute Abend auf dem Bonner Petersberg den Staatspreis 2006 des Landes Nordrhein-Westfalen verleihen.

„Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wird am 7. November den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2006 an den Philosophen und Sozialwissenschaftler Professor Dr. Jürgen Habermas verleihen. Die höchste Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen besteht seit 1986 und ist mit 25.000 Euro dotiert. Professor Dr. Jürgen Habermas ist der 42. Preisträger. Der Staatspreis wird im feierlichen Rahmen auf dem Petersberg bei Bonn verliehen. Die Laudationes werden gehalten vom ehemaligen Bundesminister und SPD-Vorsitzenden Dr. Hans-Jochen Vogel und von Professor Dr. Wolfram Hogrebe, Lehrstuhl für Theoretische Philosophie der Universität Bonn.

„Jürgen Habermas ist ein großer Denker europäischer Kultur und steht in der Tradition unseres Abendlandes und der Aufklärung“, begründete Ministerpräsident Jürgen Rüttgers die Verleihung an den in Düsseldorf geborenen und in Gummersbach aufgewachsenen Wissenschaftler. Ein wichtiger Grund für die Verleihung des Staatspreises an Jürgen Habermas sei dessen viel beachtetes Gespräch mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., gewesen. In diesem habe Habermas die Bedeutung von Religion und Glauben für die Integration moderner Gesellschaften hervorgehoben. „Die Betonung von Habermas, Naturwissenschaften und Technik seien keine höhere Wahrheit als weltanschauliche oder religiöse Auffassungen, ist für das Selbstverständnis unseres Landes von unschätzbarem Wert.“

Der Ministerpräsident sagte, mit Habermas sei ein aufgeklärtes Verständnis von Wahrheit und Vernunft verbunden, ohne in postmoderne Beliebigkeit zu verfallen. Als Intellektueller, der für sich das Recht in Anspruch nehme, in die Speichen des Rades „Tagespolitik“ einzugreifen, habe sich Habermas niemals von Parteipolitik vereinnahmen lassen. „Aber er hat stets Partei für die Sache des Humanismus und das Projekt der Aufklärung ergriffen.“ Und Habermas habe stets nach den Grundlagen gesucht, die unsere Gesellschaft zusammen halten. Als beeindruckend am Werk von Professor Dr. Jürgen Habermas bezeichnete der Ministerpräsident, dass der Philosoph bei aller Schärfe seiner Gesellschaftskritik nie dem Kulturpessimismus erlegen sei.”
[Quelle]

Der Staatspreis NRW wird seit 1986 verliehen, Vorjahrespreisträger ist Marcel Reich-Ranicki. Mehr zur Verleihung und zur Person hier ein ausführliches Denkmal für Jürgen Habermas bei Oberschichtenfernsehen.de, die bisherigen Preisträger hier.

Verschiebung

Wer unten stehende Veranstaltung gern besucht hätte, aber keine Zeit, Karten, Penunse o.ä. hatte, bekommt eine zweite Chance. Der Meister war leider unpäßlich, der Termin wurde auf den 30.11. verschoben. Ort und Zeit bleiben gleich. Neu ist, dass es evtl. wieder ein paar Karten gibt, da der Eine oder Andere die seinen ggfs. zurück gegeben haben könnte. Eventuell.

Kinder der Stadt I – Peter-Joseph Lenné

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Kommt man vom Hofgarten her auf den Biergarten am Alten Zoll zu, kann man rechter Hand ein wenig verschlafen und dornröschenartig ein hübsches altes Haus entdecken, das geradezu einem Buch der Brontes geschält zu sein scheint. Ein wenig geduckt und vielleicht grade daher wunderbar im Einklang mit seiner Umgebung. Weiß, mit Butzenscheiben (der Laie kann sich täuschen) und einer Gedenktafel, die daran erinnert, dass es sich hierbei um das Geburtshaus von Peter-Joseph Lenné handelt.

Jenem Lenné, der einem ebenfalls begegnet, geht man vom Friedensplatz am Beethovenhaus vorbei Richtung Bertha-von-Suttner-Platz. Am Tage eher unaufdringlich, leuchtet er einem in der mittlerweile noch eine Stunde früher anbrechenden Nacht aus dem Bonner Äquivalent des Hollywoodschen Walk of Fame entgegen.

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Landschaftsgärtner war er. Soviel ist schon mal zu erfahren. Doch ein bisschen Gärtnerei allein wird ihm wohl kaum Gedenktafel und Trottoir-Illumination einbringen. Teilt er sich letztere immerhin mit Größen wie Clara Schumann und dem berühmtesten Kind der Stadt, Ludwig van Beethoven.

Grund genug für einen Neuling in Stadt und Blog auf eine kleine Spurensuche zu gehen. Google spuckt nach knapp 13 Sekunden 90.800 Webseiten aus, die in irgendeiner Form etwas mit Herrn Lenné zu tun zu haben scheinen. Und hierbei handelt es sich keineswegs um die örtlichen Kleingärtnerseiten.

Lenné im September 1789 in eben jenem Haus, lt. Wikipedia das Gärtnerhaus des Bonner Stadtschlosses, nahe dem Alten Zoll geboren und im Januar 1866 in Potsdam verstorben war einer der einflussreichsten Gartenkünstler und Landschaftsarchitekten des deutschen Klassizismus.
Als Sohn einer alten Gärtnerfamilie aus dem belgischen Liege, war Lennés Weg mit Eintritt ins Leben praktisch schon festgelegt. Seit 1665 dienten die Lennés (ursprünglich Le Neu oder auch Le Nain) als Hofgärtner in Poppelsdorf am Schloss. Lennés Vater rückte dann zum Inspektor des botanischen Gartens der Universität Bonn auf.
Der Junior ging, wie das damals so war, nach dem Gymnasium beim Onkel, Hofgärtner in Brühl bei Köln, in die Lehre und im Anschluss daran auf Wanderschaft. Studierte in Paris, arbeitete in Schönbrunn und Laxenburg bei Wien und schlussendlich in München bei dem Hofgartenintendanten Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823), dem Schöpfer der Schloßparks von Schwetzingen, Nymphenburg und des Englischen Gartens.

Von München aus ging es 1816 Richtung Berlin, nach Potsdam-Sanssouci wo er zum Gartengesellen ernannt wurde und die nächsten 50 Jahre hart und erfolgreich daran arbeitete in die Geschichte einzugehen. Lenné macht schnell Karriere, 1818 ist er bereits Königlicher Garteningenieur und wird zum Mitglied der Königlichen Gartenintendantur und dann 1824 zum Königlichen Gartendirektor in Potsdam berufen. 1822 gründet er den »Verein zur Beförderung des Gartenbaus in den Königlich- Preußischen Staaten« und ruft 1824 die »Königliche Gärtner- Lehranstalt« Wildpark, der er als Direktor vorsteht, und 1832 die Landesbaumschule ins Leben.

Lenné prägte maßgeblich das Landschaftsbild preußischer Gärten und Parkanlagen. Statt von der feudal überladenen Pracht und Verspieltheit, des Barock und Rokoko, ließ er sich von der schlichten Eleganz englischer Landschaftsgärten inspirieren.
Große, zusammenhängende Rasenflächen und weiträumige, oft von kleinen Wegen durchzogene Haine oder malerisch angeordnete Baumgruppen lösten abgezirkelte Beete, üppige Spaliere und Rabatten ab. Gebäude und Gewässer wurden harmonisch in die Landschaft eingebettet und durch die für Lennés Arbeiten charakteristischen Sichtachsen verbunden. Akzente setzte er durch die Einbindung tropischer Pflanzen.

Heute geht man davon aus, dass Lenné mehr als 100 Parkanlagen und Gärten gestaltet hat, einen Großteil davon in Berlin und Potsdam, doch auch seiner rheinischen Heimat bliebt er stets verbunden. So gestaltete er unter anderem den Garten der Kölner Flora und die Rheinanlagen bei Koblenz.

Hier wollte er auch sterben, „Die Liebe zu seiner rheinischen Heimat wird durch die Tatsache erhellt, dass er sich mit spezieller königlicher Genehmigung im Festungsrayon der Stadt Koblenz ein Haus erbaut hatte, in dem er den ruhigen Lebensabend verbringen wollte. Zu diesem schönen Abschluss ist er aber nicht mehr gekommen.“, denn er starb vor der Fertigstellung 1866. Sein Vater wünschte sich für den Junior eigentlich eine wissenschaftliche Karriere, deren Weg er bereits zu Schulzeiten des Sprosses durch Sonderlektionen in wissenschaftlicher Botanik vorbereiten lies. Lenné wählte, aus nicht überlieferten Gründen, Schaufel und Rechen, pflanzte sich seinen Pfad in die Praxis und zeigte der Wissenschaft was eine Harke ist. Seine Anlagen begeistern und entspannen die Menschen bis heute, Bilden Oasen der Ruhe inmitten eines Trubels der zu Lennés Lebzeiten in der Form nicht einmal ansatzweise vorstellbar war.

Um zumindest halbwegs die Massenkompatibilität zu gewährleisten, steht oben nur ein Abriss. Wer mehr wissen will, konsultiert Google oder greift direkt auf einen (oder mehrere) der untenstehenden Links zurück.

Luisenstädtischer Bildungsverein e.V.
Wikipedia
Preussen.de-Die offizielle Website des Hauses Hohenzollern
Senatsverwaltung Berlin
Stiftung Schloss Neuhardenberg
Uni Magdeburg