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Filmkunst relaunched

Gute Kinos brauchen einen guten Webauftritt. Drum haben sich Herr Felix und Frau Herrmann an die Arbeit gemacht, dem Rex und der Filmbühne einen neuen Auftritt zu sponsern. Der ist richtig schön, schlank und übersichtlich geworden. Wenn die beiden jetzt noch bei der einzelnen Filmbeschreibung – statt der offiziellen Seite – die Besprechung des Filmdienstes oder die Internet Movie Database direkt verlinken würden: Komplett nutzerfreundlich. Immer schön ans Publikum denken 😉

Zum Selbstverständnis: „Rex-Lichtspieltheater und Neue Filmbühne sind Filmkunst-Erstaufführungs-Kinos im weitesten Sinne. Die Filme die wir in unsere Programme aufnehmen, sollen etwas mit der kulturellen Lebenswirklichkeit in Mitteleuropa zu tun haben, oder Einblicke in andere kulturelle Wirklichkeiten eröffnen. Für uns ist Film ein der Literatur vergleichbares und ebenbürtiges Reflexionsmedium mit dem sich kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge in persönlicher Auseinandersetzung befragen lassen.“

Metropol: Cinestar schmeisst frühzeitig hin

„Wir bedauern es sehr, dass wir eines der ältesten Lichtspieltheater Deutschlands schließen müssen“, erklärte ein Cinestar-Unternehmenssprecher am Dienstag. Anders als geplant, will der Betreiber und Mieter des Metropol-Kinos den Betrieb schon Mitte März und nicht nicht erst im Juni 2006 einstellen. Grund sei die geringe Auslastung des Lichtspieltheaters.

Damit kann die Bürgerinitiative „Rettet das Metropol„, die das Haus mit seinem denkmalgeschütztem Theatersaal erhalten will, die Nebenfede mit Cinestar zu den Akten legen und sich auf den neuen Investor „Interboden“ konzentrieren. Hat ja auch was Gutes…

Punkrock am Rosenmontag

Ok, bevor das hier noch ein Heimatkunde-Blog wird: Am Rosenmontag gibt’s im Kult Punkrock vom Feinsten mit Dr. Ranzik, La Estrella Negra und special guest Heiter bis wolkig live – Die Roten Ratten. Völlig Karnevalswahnsinnige können aber auch noch nach dem ZOCH vorbeikommen, da (PÜNKTLICHER !) Beginn um 17 Uhr ist! Eintritt 6 €.
Vor allem Dr. Ranzig (Alle Kassen!) sollte mit dem ersten Konzert nach einem Jahr Pause und *neuneuneu* Herrn D. an dem Schlagstöcken von allen Karnevalswehwehchen heilen…

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Die Dialektik der rheinischen Kontaktfreude

Wie haben sie die rheinische Sprache und Mentalität gelernt?

Das war das erste, was ich in Psychologie gelernt habe: Für ein gutes Gespräch musst du zuhören können. Um sich gut mit jemandem zu unterhalten, musst du das Maul halten. Im Rheinland dauert das.

Weil der Rheinländer so gerne und so lange redet?

Naja, manchmal sag ich das ja scherzhaft auf der Bühne: Der Rheinländer ist einer der Scheuesten überhaupt. Die tun so, als wären sie sowas von kontaktfreudig. Du bist ja direkt an der Theke und er duzt dich. Und am nächsten Tag kennt er dich nicht mehr, weil da ist wieder eine Wirklichkeit, neue Leute und neues Du. Bei mir hat es elf Jahre gedauert, elf Jahre!, bis ich von einem rheinischen Beamten, mit dem ich engstens befreundet war, das erste mal zu sich nach Hause eingeladen wurde. Und das ist typisch.

Warum das?

Das hat damit zu tun, dass die andere Seite dieser brüllenden Kontaktfreudigkeit eine ungemeine Kontaktscheu ist. Da ist er dann leise. Er brüllt deshalb so laut, damit man nicht dahinter kommt, dass er so leise ist.

Der Wahlbonner Konrad Beikircher im Interview mit der taz.

Revolte der Waschfrauen: Seit 182 Jahren feiern Möhnen in Bonn-Beuel Weiberfastnacht

Die Wiege der Weiberfastnacht steht in Bonn-Beuel: Vor 182 Jahren trafen sich Waschfrauen in dem damaligen Dorf zur weiblichen Karnevals-Revolte. Denn das Leben der Beueler Waschfrauen war in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts alles andere als spaßig. Kinderreiche Familien, Armut und schwere körperliche Arbeit – viele der verheirateten Frauen, im Rheinland Möhnen genannt, hatten ein hartes Leben. Neben der Erziehung der Kinder und dem Haushalt erledigten die Beueler Frauen auch die Wäsche der reichen Leute aus Bonn und Köln. Für den Transport der Wäsche waren die Männer zuständig. Und die hatten 1823 auf der Fahrt nach Köln den ersten Straßenkarneval miterleben dürfen, während ihre Frauen daheim arbeiteten.

Ein Jahr später wollten die Beueler Waschfrauen den Karneval nicht mehr nur den Herren der Schöpfung überlassen. Während die Männer am Donnerstag vor den tollen Tagen mit der Lieferung in Richtung Köln aufbrachen, legten die Frauen ihre Arbeit nieder und trafen sich zum närrischen Kaffeeklatsch. Es war die Geburtsstunde des Damenkomitees (heute: Altes Beueler Damenkomitee von 1824 e.V.) und die erste Schlacht der Waschfrauen gegen Griesgram und Muckertum. Die Beueler Damen trieben es recht heftig an diesem Tage, was lange durch ein Bauwerk belegt wurde: Die „keifende Waschfrau“, angebracht am Brückenpfeiler der alten Kennedybrücke. Leider wurde dieses Denkmal im Kriege zerstört.Natürlich ließen die Frauen bei dem karnevalistisch-emanzipatorischen Befreiungsschlag auch ihrem Frust über die Männer freien Lauf: Alle Frauen hatten die Pflicht, über die groben Verstöße ihrer Männer gegen den Hausfrieden und die eheliche Treue oder über deren Alkoholexzesse zu berichten. Die Übeltäter waren selbstverständlich ausgeschlossen. Ihre Probleme wollten die Damen unter sich besprechen, denn unbeobachtet konnten sie sich ihren ganzen Frust von der Seele reden.
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Das Älteste Bild des Beueler Damenkomitees: Um 1900

Dieser Brauch der Wäscherinnen überstand die unterschiedlichen politischen Epochen von der preußischen Besatzung über das Bismarck-Reich, die Monarchie, die erste Demokratie und die Nazi-Zeit bis hin zur Demokratie 2.0.
Mitte des 20. Jahrhunderts bliesen dann die Möhnen in Beuel zum ersten Sturm auf das Rathaus. Auch in den Amtsstuben wollten die jecken Weiber die Männerherrschaft durch karnevalistischen Frohsinn ablösen. Angeführt von der Obermöhne griffen die Weiber 1957 mit Waschknüppeln bewaffnet an. Der Bürgermeister und seine „Federfuchser“ mussten sich angesichts der übermächtigen Frauenpower ergeben. Um die männliche Abwehr schneller zu schwächen, zog 1958 die Wäscherprinzessin als neue Symbolfigur mit in die Schlacht. Sie soll seither mit weiblicher List und den Waffen einer Frau die Männer im Rathaus zur Aufgabe bewegen.
Mittlerweile haben die Männer im gesamten Rheinland an Weiberfastnacht nichts mehr zu sagen. Kein Rathaus oder Chefbüro ist mehr sicher vor den jecken Weibern. In Bonn-Beuel hat sich die Weiberfastnacht zu einem Volksfest entwickelt. Bereits am Morgen zieht ein Karnevalszug mit Obermöhne und Wäscherprinzessin durch die Stadt, bevor gegen Mittag das Rathaus eingenommen wird.
Fahrplan für morgen
Beueler Weiberfastnachtszug:
Start 9.45 Uhr an der Siegburgerstrasse, Umzug durch Beuel: Siegburger Straße – Marquartstraße – Unterführung – Beueler Bahnhofsplatz – Obere Wilhelmstraße – Siegfried-Leopold-Straße – Siegfried-Leopold-Straße – Gottfried-Claren-Straße – An St. Josef – Johann-Link-Straße – Hermannstraße – Friedrich-Breuer-Straße – Rathaus (Auflösung Hans-Böckler-Straße)
12.00 Uhr Sturm auf das Beueler Rathaus mit Wäscherprinzessin und den Damenkomitees

Draussen vor der Tür

Der neue Eigentümer des Metropols, die Interboden Innovative Gewerbeimmobilien GmbH & Co. KG aus Ratingen, hat laut Berichten des General Anzeigers eine Bauvoranfrage für den Umbau und die Umnutzung des Denkmals am Markt eingereicht. Der neue Investor möchte unter anderem den schrägen Zuschauerraum des großen Saales zugunsten einer ebenerdigen Decke und einer Zwischendecke aufgeben. Damit ist ein erster Schritt in Richtung Einkaufzentrum getan. Nicht, dass das Metropol zuletzt ein Hort der Hockultur war. Aber Blockbuster wie „King Kong“ oder den neuen Bond konnte man nur hier wirklich genießen. Einfach, weil’s eine großartige Location war (und noch bis zum 30. Juni ist).
Die Vorstellung, dass demnächst in einem der ersten großen Lichtspielpaläste Deutschlands (1929) ein Damenoberbekleidungsgeschäft-oder-was-auch-immer Einzug halten und den großen Saal verunstalten soll, ist zum Kotzen. Darum: Hingehen! Morgen, Samstag, findet der vierte „Tag der geschlossenen Tür vor dem Metropol auf dem Marktplatz statt.

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www.rettet-das-metropol.de