historie

Histörchen: Damals, als Bonn noch eine Zementfabrik hatte…

Ein feines Fundstück im Flickr-Pool von Gregorius Mundus:

„Winter 1982

Als ich damals die Aufnahme gemacht habe, lag der Fokus eindeutig auf dem Vordergrund. Dass das Bild mal einen historischen Wert haben kann, ist mir nicht in den Sinn gekommen. Glücklicherweise ist die Fabrik im Hintergrund eindeutig zu erkennen.“

Das Gegenstück – 25 Jahre später aufgenommen – findet sich dort ebenfalls.

Bonner Zwischenrufe

Das Zwischenrufen während einer Parlamentssitzung war in der Bonner Republik eine hohe Kunst.

Konrad Adenauer lieferte sich z. B. seinerzeit einen Stellungskrieg mit dem Kommunisten Heinz Renner. So sagte der Kanzler einmal: „Das Grundgesetz, an dem ich ja auch mitgearbeitet habe.“ Darauf Renner: „So sieht’s auch aus.“ Adenauer: „Sie haben doch auch mitgearbeitet.“ Renner: „Ich habe es abgelehnt.“ Adenauer: „Ich möchte doch hier zur Ehre des Herrn Kollegen Renner feststellen, dass er in den Ausschüssen sehr nett und fleißig am Grundgesetz mitgearbeitet hat.“ Renner: „Um ihm einige Zähne auszubrechen.“ Darauf der Sozialdemokrat Carlo Schmid: „Die sind nur plombiert.“

Carlo Schmid – neben Wehner und Strauß einer der größten Zwischenrufer – donnerte einst in den Plenarsaal: „Machen Sie bitte keine Zwischenrufe, sonst antworte ich Ihnen.“ Das hatte Schneid.

Seitdem die Regierung das katholische Rheinland ver- und sich im protestantischen Preußen niedergelassen hat, ist auch die Streitkultur dahin. Während in der ersten Legislaturperiode noch 159 Ordnungsrufe verteilt wurden, waren es in der letzten nurmehr fünf. Alles preußisch wohlgeordnet und irgendwie lattemachiatohaft, wie die aktuelle Generation von Abgeordneten, die eben gerne im Berliner Café Einstein abhängt.

Darum hat Lydia Harder einen Nachruf auf den Zwischenruf verfasst. Prädikat lesenswert!

Bürgerbegehren zum Erhalt des Metropols zulässig?

Der Rat entscheidet am Donnerstag über die Zulässigkeit des Bürgerbegehren zum Erhalt des Metropols. Vor gut zwei Jahren wurde damit begonnen, Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln, mit dem verlangt wurde, eine evtl. beantragte Umbaugenehmigung des Lichtspieltheaters METROPOL nach § 9 des Denkmalschutzgesetzes nicht zu erteilen. Über 14.000 Bürgerinnen und Bürger erhoben ihre Stimme rechtsgültig und stoppten im Mai 2008 einstweilen die geplanten Eingriffe in die historische Bausubstanz. Der Rat stellte seine obligate Entscheidung über die Zulässigkeit des Begehrens zurück, da zeitgleich ein Gerichtsverfahren beim Oberverwaltungsgericht des Landes Nordrhein-Westfalen anhängig war, in dem schließlich – entgegen den Erwartungen der meisten Denkmalschutzexperten – dem METROPOL mit Ausnahme seiner Fassade die Denkmaleigenschaft aberkannt wurde. Damit ist dem Bürgerbegehren sein juristischer Gegenstand abhanden gekommen, dennoch ist nach wie vor über die grundsätzliche Zulässigkeit des Begehrens zu befinden. Pro Metropol warnt deshalb: Falls der Rat der Argumentation der Verwaltung vom letzten Jahr folgen sollte und das Bürgerbegehren für unzulässig hält, spräche sich der Rat selbst seine Zuständigkeit in punkto Denkmalschutz ab. Mehr dazu bei rhein:raum.

Der Alte aus Rhöndorf

„Im Politischen halte ich Konrad Adenauer für den Größten, weil er wirklich nach dieser schlimmen Nazizeit dieses Land wieder in die Weltgemeinschaft zurückgeführt hat. Und das halte ich für ein Riesen-Verdienst“, erklärte Bodo H. Hauser vor einigen Jahren.

Westintegration, Beginn der deutsch-französischen Freundschaft und Aussöhnung mit dem Staate Israel sind die Schlagworte der Kanzlerschaft des Alten. Heute vor 60 Jahren, am 15. September 1949 wurde er mit nur einer Stimme Mehrheit – seiner eigenen – vor Kurt Schumacher vom Bundestag zum ersten deutschen Bundeskanzler gewählt. Auch, wenn in den 60ern die Bundesrepublik demokratisch gelüftet und zum Glück vom (innenpolitischen bzw. kulturellen) Mief der Adenauerjahre befreit wurde: Konrad Adenauer war ein Glücksfall für die junge Republik – gerade in der Außenpolitik – und bleibt einer der größten Politiker Deutschlands. Drum an dieser Stelle ein: Chapeau!

Eine Phoenix-Führung durch das im Original erhalten gebliebene Haus Konrad Adenauers in Rhöndorf

Bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 wurde Konrad Adenauer als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises 10 „Bonn Stadt und Land“ mit 54,5 Prozent der Stimmen in den Deutschen Bundestag gewählt. Er vertrat den Wahlkreis Bonn bis zu seinem Tod 1967 und wurde bei den fünf Bundestagswahlen 1949 bis 1965 mit Mehrheiten von bis zu 68 Prozent jeweils direkt gewählt.

Tag des offenen Denkmals 2009

In diesem Jahr kann Denkmalschutz beim Tag des offenen Denkmals mit allen Sinnen erfahren werden, denn es geht um „Historische Orte des Genusses (Programm PDF)

Am diesjährigen Tag des Offenen Denkmals sprechen viele der Mitveranstalter ganz gezielt die Sinne an. Da gibt es im ersten evangelischen Gotteshaus im Bonner Norden, der Evangelischen Lukaskirche Bonn Castell, mittelalterliche Pilgergesänge vom Jakobsweg. Im Beethovenhaus – dem einzigen erhaltenen barocken Bürgerhaus in Bonn, das im Innern noch Eindrücke von der damaligen Lebenssituation geben kann – stehen Musik und eine Weinprobe auf dem Programm. In der römischen Badeanlage am Collegium Albertinum wird bei einer römischen Modenschau Genuss zur Schau getragen. Das ehemalige Wasserwerk Plittersdorf lieferte fast 100 Jahre Trinkwasser und dient heute als Konzernsitz. Ein Rundgang vermittelt Eindrücke der langen Theatertradition Bad Godesbergs. Erinnerungen an die legendäre Lindenwirtin Aennchen Schumacher wecken Führungen durch die heutige Gaststätte. Der herrschaftliche Landsitz und der großzügige Park der Burg Lede in Beuel lassen sich bei Imbiss und Getränken erkunden. Die Evangelische Kirche in Oberkassel widmet sich „Glaube und Genuss – Calvins Liebe zur Schöpfung“. Über 800 verschiedene Bäume und Sträucher, seltene und ungewöhnliche Pflanzen sind die Hauptakteure der Stiftung Arboretum – Park Härle in Oberkassel.

Der ganze Tag steht zur Verfügung um Stadtgeschichte live zu erleben. Wer nicht nur auf eigene Faust entdecken möchte, kann auch an zahlreichen Führungen teilnehmen.

Damit wäre diese Frage zumindest für heute geklärt! 🙂

Bonn im Radio: »C’est si Bonn! – Keine kleine Stadt in Deutschland«

Die ohnehin empfehlenswerte hr2-Radiosendung »Der Tag« brachte eine Folge zu unserer Ex-Hauptstadt. Am Vorabend des 23. Mai, an dem vor 60 Jahren das Grundgesetz in Kraft trat (das hier beraten wurde) hieß es im hr: »Bonn – oder als die Republik noch bei sich selber war«. Anhören (rss-Feed der Sendung oder Direktlink zur mp3-Datei)!

if you want blood … die stiege am kreuzberg

“Die Treppe Jesu, der für uns gelitten, von Clemens August, dem Kurfürsten und Kölner Bischof, fromm, erhaben und kostbar erbaut und vollendet” steht in lateinischen Lettern am Außenbau der Heiligen Stiege auf dem Bonner Kreuzberg. Die 28 Stufen der Stiege in der barocken Kreuzbergkirche sind heute und morgen von christlichen Pilgern auf Knien zu bewältigen. Auf jeder Stufe sollen sie betend verharren, bis sie den Altar erreichen. Kleine Messingkreuze auf der zweiten, elften und achtundzwanzigste Marmorstufe markieren die Blutstropfen Christi. Nach Auffassung des Barock gilt die Stiege als Sinnbild des menschlichen Weges zur himmlischen Vollendung. Da verdrehe noch mal jemand die Augen über islamisches Brauchtum …

Die Kirche im Ganzen stellt den Palast des Pilatus dar. Es besteht aus der eigentlichen Treppe (Stiege), der Fassade und weiteren Räumen unter den Treppenläufen. Die Heilige Stiege in Bonn ist eine Nachbildung der Scala Sancta in Rom. Das ist der Legende nach die Treppe aus dem Palast des Pilatus, die die römische Kaiserin Helena aus Jerusalem nach Rom brachte.

Die Heilige Stiege, die den Rest des Jahres über nur von außen besichtigt werden kann, ist heute, Karfreitag von 8 bis 18 Uhr und Karsamstag von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Ich empfehle Knieschoner mitzunehmen…

Infos: Kreuzberg-Bonn und bonn.de – Bonner Kreuzberg an Kar- und Ostertagen wieder Wallfahrtsziel

Bilder auf Flickr

Revolte der Waschfrauen: Seit 185 Jahren feiern Möhnen in Bonn-Beuel Weiberfastnacht

Die Wiege der Weiberfastnacht steht in Bonn-Beuel: Vor 185 Jahren trafen sich Waschfrauen in dem damaligen Dorf zur weiblichen Karnevals-Revolte. Denn das Leben der Beueler Waschfrauen war in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts alles andere als spaßig. Kinderreiche Familien, Armut und schwere körperliche Arbeit – viele der verheirateten Frauen, im Rheinland Möhnen genannt, hatten ein hartes Leben. Neben der Erziehung der Kinder und dem Haushalt erledigten die Beueler Frauen auch die Wäsche der reichen Leute aus Bonn und Köln. Für den Transport der Wäsche waren die Männer zuständig. Und die hatten 1823 auf der Fahrt nach Köln den ersten Straßenkarneval miterleben dürfen, während ihre Frauen daheim arbeiteten.

Ein Jahr später wollten die Beueler Waschfrauen den Karneval nicht mehr nur den Herren der Schöpfung überlassen. Während die Männer am Donnerstag vor den tollen Tagen mit der Lieferung in Richtung Köln aufbrachen, legten die Frauen ihre Arbeit nieder und trafen sich zum närrischen Kaffeeklatsch. Es war die Geburtsstunde des Damenkomitees (heute: Altes Beueler Damenkomitee von 1824 e.V.) und die erste Schlacht der Waschfrauen gegen Griesgram und Muckertum. Die Beueler Damen trieben es recht heftig an diesem Tage, was lange durch ein Bauwerk belegt wurde: Die „keifende Waschfrau“, angebracht am Brückenpfeiler der alten Kennedybrücke. Leider wurde das Denkmal im Krieg zerstört.

Natürlich ließen die Frauen bei dem karnevalistisch-emanzipatorischen Befreiungsschlag auch ihrem Frust über die Männer freien Lauf: Alle Frauen hatten die Pflicht, über die groben Verstöße ihrer Männer gegen den Hausfrieden und die eheliche Treue oder über deren Alkoholexzesse zu berichten. Die Übeltäter waren selbstverständlich ausgeschlossen. Ihre Probleme wollten die Damen unter sich besprechen, denn unbeobachtet konnten sie sich ihren ganzen Frust von der Seele reden.

Beueler_Damenkomitee_1900_a.jpg
Das Älteste Bild des Beueler Damenkomitees: Um 1900

Dieser Brauch der Wäscherinnen überstand die unterschiedlichen politischen Epochen von der preußischen Besatzung über das Bismarck-Reich, die Monarchie, die erste Demokratie und die Nazi-Zeit bis hin zur Demokratie 2.0.

Mitte des 20. Jahrhunderts bliesen dann die Möhnen in Beuel zum ersten Sturm auf das Rathaus. Auch in den Amtsstuben wollten die jecken Weiber die Männerherrschaft durch karnevalistischen Frohsinn ablösen. Angeführt von der Obermöhne griffen die Weiber 1957 mit Waschknüppeln bewaffnet an. Der Bürgermeister und seine “Federfuchser” mussten sich angesichts der übermächtigen Frauenpower ergeben. Um die männliche Abwehr schneller zu schwächen, zog 1958 die Wäscherprinzessin als neue Symbolfigur mit in die Schlacht. Sie soll seither mit weiblicher List und den Waffen einer Frau die Männer im Rathaus zur Aufgabe bewegen.

Mittlerweile haben die Männer im gesamten Rheinland an Weiberfastnacht nichts mehr zu sagen. Kein Rathaus oder Chefbüro ist mehr sicher vor den jecken Weibern. In Bonn-Beuel hat sich die Weiberfastnacht zu einem Volksfest entwickelt. Bereits am Morgen zieht ein Karnevalszug mit Obermöhne und Wäscherprinzessin durch die Stadt, bevor gegen Mittag das Rathaus eingenommen wird.

Fahrplan für Donnerstag

Beueler Weiberfastnachtszug:

Aufstellung Siegburger Straße
Siegburger Straße, Königswinterer Straße, Gustav-Kessler-Straße, Obere Wilhelmstraße, Siegfried-Leopold-Straße, Gottfried-Claren-Straße, An St. Josef, Johann-Link-Straße, Hermannstraße, Friedrich-Breuer-Straße bis zum Rathaus –> dort Auflösung

Karte Zugweg

Rathaussturm:
09.30 Uhr Einstimmung mit den „Sunny Raindrops“
10.00 Uhr Musikgruppe „Jot Drop“
10.45 Uhr Musikgruppe „Kölsch Fraktion“
11.30 Uhr Musikgruppe „KBE“
ca. 12.15 Uhr Rathaussturm durch die Wäscherprinzessin
anschließend Platzkonzert mit den Beueler Stadtsoldaten

Der Rathaussturm wird live im WDR-Fernsehen übertragen.

update: Wie Bonn-Beuel berichtet, gibt es auch einen Livestream zum Rathaussturm.