janz weit draussen

Geisterzug 2009

Fast ist es geschafft, die tollen Tage sind (fast) vorbei und mit ihnen auch die berüchtigte fünfte Jahreszeit. Zum Glück ist man (ich) versucht zu sagen. Nachdem die Rudel gut gelaunten Menschenvolkes mitunter ohnehin nur schwer zu ertragen sind, kamen in diesem Jahr scheinbar erstmalig auch sogenannte Karnevals-Hooligans aus ihren Löchern. Wenn es nicht so traurig wär, würde man (ich) jetzt witzeln mögen, dass es wahrscheinlich einfach Menschen wie Du und ich waren, denen der saumselige Taumel der tollen Tage einfach zu viel geworden ist, aber ganz so war es wohl nicht. Wie dem auch sei, das war janz weit draussen, nämlich vorrangig in Kölle und in  Bonn gings dann doch vergleichsweise ruhig zu.

Insgesamt zog Polizeidirektor Gerd Baltes von der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz der Bonner Polizei, eine positive Bilanz: „Die „närrischen“ Tage verliefen bislang ohne nennenswerte Zwischenfälle. An neuralgischen Örtlichkeiten, wo es unserer Erfahrung nach in den Vorjahren zu Streitigkeiten gekommen war, haben wir starke Präsenz gezeigt. Die direkte Ansprache von aggressiven Personen zeigte dabei eine deutliche Wirkung. Besonders Streitsüchtigen erteilten die Polizeibeamtinnen und -beamten Platzverweise. Gemeinsame Streifen der Bonner Polizei und des städtischen Ordnungsamtes überprüften in Verdachtsfällen, wie angekündigt, die feiernden Jugendlichen. Auch hier fruchtete die direkte Ansprache durch die Polizistinnen und Polizisten und das konsequente Einschreiten, wenn „Hochprozentiges“ bei den Jugendlichen festgestellt wurde.“

Und weil ich mich trotz reichlich Siegerländer Genmaterial und dem ein oder anderen überheblichen Achselzucken gegenüber Jecken, Narren, Strüssjer und Rumgebütze doch nicht mehr so ganz davon freimachen kann, dass es mitunter auch unterhaltsame Momente gibt, hier ein paar Bilder vom Antikarneval, diesmal aus Rodenkirchen und unter dem Motto: „Dr volljöhrije Ähzebär, die Meddelschich un ander ärm Kirchemüs“ und grade richtig für Anfänger (wenn mir nach einem fast dreistündigen Fussmarsch schlussendlich nicht nur die Füße wehtaten).

Wochenendplanung: Auf die Ohren

Wer vor dem Feste noch einmal den Kopf durchpusten möchte:

  • 19.12. Exot-Weihnachtsparty / Festgala zum Quirinus-Kuhlmann-Preis
    Wenn das Jahr sich dem Ende zuneigt, kommt das Exot-Magazin ins Kult 41. Das war schon immer so und soll auch immer so bleiben. Diesmal haben die Redakteure Christian Bartel, Nadja Schlüter, Lars Weisbrod und Olaf Guercke ihr 9. Heft im Gepäck, das wie immer im Eintritt enthalten sein wird. Zudem konnten großartige Gäste aus unserer Nachbarstadt Köln verpflichtet werden: Angesichts des feinen Textwerks der Exot-Autoren Dagmar Schönleber und Christian Gottschalk werden sich die Redakteure bei ihren Lesungen warm anziehen müssen.
    Erstmals in der Geschichte der Literatur wird außerdem der Quirinus-Kuhlmann-Preis für versehentlich komische Literatur verliehen, und zwar an einen Autoren, dessen Identität noch niemand kennt. Der glückliche Preisträger kann ab 15.November per Internet-Voting auf www.exot-magazin.de gekröhnt werden. 20:00 bis 01:00 im kult.
  • 20.12. The (International) Noise Conspirancy im Kölner Palladium. Saugeil! Leider muss man dabei New Model Army als Haptact in Kauf nehmen. Oder eben nach der Vorband gehen… 18:50 Uhr – Voicst, 20:00 Uhr – The (International) Noise Conspiracy, 21:35 Uhr – New Model Army
  • 20.12. ‚Riotgirrrls de Luxe‘ mit SUPABOND (Punkband im guten 80ier Jahre Stil aus Düsseldorf um Sängerin Suse), MISS FORTUNE (Schmutziger Punk & Roll Garagenlärm aus Düssldorf um Sängerin Bine), WILD GIFT (Punkrock-Combo aus Köln/Bonn um Sängerin Yvonne und Schlagzeugerin R.Zora), ZOSCH! (Electropunk aus Köln um die beiden Sängerinnen Anitram und Anike und Schlagzeugerin Maike)  (Nach dem Konzert PUNKSTELLE DJ-Abend!) ab 20 Uhr (Eintritt 5 EUR) im Juze Brühl (Liblarer Straße 4, 5 Minuten Fußweg ab Haltestelle „Brühl Mitte“ der Linie 18) /Brühl.
  • 22.12. THE SNIFF SOME GLUES (Kölner RAMONES Cover-Band! It’s Alive 1974-1996), THE JOCHEN STRAMMER EXPLOSION (Joe Strummer Tribute) ab 21.30 Uhr (Eintritt 4 oder 5 EUR) im Sonic Ballroom /Köln-Ehrenfeld.
  • 22.12. Früher in der Jazz Galerie, jetzt als gute Tradition in der Harmonie: GÖTZ WIDMANN, BN-Endenich, Harmonie, 19 Uhr

Wasserstandsmeldungen

Seit mehreren Monaten bekommt Bonn einen anderen Trinkwassermix. Wegen der Sanierung der Wahnbachtalsperre verkalkt unser Wasserkocher jetzt spürbar – ein früher nie gekanntes Phänomen. Noch bis Anfang des Jahres kommt das Wasser nur aus den Grundwasserpumpstationen in Meindorf und Hennef. Die Sanierung ist mittlerweile zwar abgeschlossen, die Talsperre muss sich in den nächsten Wochen aber erst wieder füllen. Vielleicht versüßt der Gedanke daran den nächsten Regen. (Weitere Hintergründe beim General-Anzeiger.)

Bitte einmal recht freundlich hopsen

Der Rhein-Sieg-Anzeiger über lustige Erlebnisse mit der Deutschen Bahn: „Geradezu verrückt wurde es dann am Bahnhof Eitorf: Weil der Zug schon Museumsreife hatte, waren seine Trittbretter nicht mit den neuen Niederflurbahnsteigen kompatibel – mit der Folge, dass sich die Trittbrettstufen unter dem Bahnsteig verkanteten. Der Zug hing am Bahnsteig fest. Nachdem sich Zugbegleiter und Lokführer von der Aussichtslosigkeit der Lage überzeugt hatten, war die Mithilfe der Fahrgäste gefragt. Über Lautsprecher wurden sie gebeten, alle auf die linke Seite der Waggons zu gehen, um die Trittbretter zu entlasten. Nachdem diese Aktion nicht wirklich fruchtete, kam der Zugführer auf eine andere Idee: Auf Kommando sollten alle Fahrgäste in die Höhe springen. Der kollektive Fahrgasthopser hatte Erfolg, die verkanteten Stufen lösten sich und die Fahrt konnte weitergehen. Um weitere Bahngymnastik zu verhindern, ließ der Lokführer die Trittbretter an den weiteren Sieg-Bahnhöfen unausgeklappt…“ Eindeutig ein Fall für bahn-spass.de.

Wildpark Rolandseck

Ziegen auf Picknickdecke

Ein Picknick mit Ziegen kann man im Wildpark (Achtung: professionelle Website) oberhalb von Rolandseck erleben. Während Dinkys sich ihre Zeit im Arp Museum Bahnhof Rolandseck vertreiben, trifft man die Familien mit Kindern eher im Wildpark oberhalb (von der Bundesstraße auf Höhe des Bahnhofs einbiegen und der Beschilderung den Berg hinauf folgen). Es gibt alles, was so dazu gehört: einen großen schattigen (wer braucht das im Moment?) Spielplatz und natürlich Esel, Dammwild und Ziegen (zum anfassen), Wildschweine, Kaninchen, Rotwild, Mufflons und Hochlandrinder. Futter kann man für einen halben Euro an der Kasse kaufen, muss aber damit rechnen, dass die Viecher diesem etwas überdrüssig sind. Futtermais oder mitgebrachtes Gemüse kam jedenfalls – so unsere investigative Beobachtung – besser an. Schick ist auch der Ausblick auf das Rheintal von einem alten, schlanken Aussichtsturm aus, dessen Wendeltreppe im Inneren gewisse Begrenzungen an die Körperbreite und -höhe voraussetzt.

Wildpark Rolandseck, Am Kasselbach 4, 53424 Remagen-Rolandseck, Fon 02228 433, Fax 02228 9129023, Blick von oben, Eintritt zwischen 3 und 2 €

Wasserspiele in Rheinbach

Wasserlandschaft am Spielplatz im Freizeitpark Rheinbach

In Bonn mangelt es an Wasserspielplätzen. Wir haben jedenfalls noch keinen Spielplatz mit Quelle oder Pumpe und Wasserlauf gefunden. Eine Ausweichmöglichkeit stellt daher der 1979 eröffnete Freizeitpark Rheinbach dar. Dort gibt es in der Nähe des Spielplatzes auch eine Wasserlandschaft, in der der Nachwuchs ausgiebig matschen und plantschen kann. Mit Matschhosen und Gummistiefeln bewaffnet geht das sogar beim aktuell sonnigen aber kalten Wetter noch. Oder man warten auf den Frühling. Dann gibt es dort auch wieder einen Flohmarkt.
Und wenn es in Bonn doch vergleichbares geben sollte, bitte einen Tipp in den Kommentaren geben.

Freizeitpark Rheinbach, Münstereifeler Straße, 53359 Rheinbach, Blick von oben, Eintritt frei

Joethe statt Plastik

„Auf jedem Schiff, das dampft und segelt / Ist einer, der die Waschfrau vögelt“. Also sprach der Dichter (in den großartigen Tabu II, 21. Juli 1971). Weil aber besagter (& grandioser) Dichter nun auch schon tot ist, geht’s dem Dampfschiff ebenfalls an den Kragen. Dem letzten seiner Art auf dem Rhein.

Noch bis zum 5. Oktober fährt der größte Seitenraddampfer Deutschlands, die Goethe der Köln-Düsseldorfer, auf der Strecke von Koblenz nach Rüdesheim am Rhein. Samt seines dampfenden Herzens. Das soll anschließend herausgerissen und durch einen profanen Dieselmotor ersetzt werden. Plastik. Bestimmt ökologischer und so. Aber im Vergleich: Plastik.

Wer also die (eigentlich heißt es: den) Goethe noch einmal unter Dampf sehen mag: Samstag oder Sonntag ab 9 Uhr zur Koblenzer Ablegestelle am Konrad-Adenauer-Ufer! Ich bin vor zwei Wochen eingeladen worden und es wurde im Laufe der Tour sehr voll. Darum sollte man die Tickets vielleicht besser vorbestellen. Außerdem wäre eine Decke empfehlenswert…

Auf der „Goethe“ geht es dann von Koblenz aus leicht ruckelnd durch das Unesco Welterbe Mittelrheintal, vorbei an Rheinstädtchen, alten Schlössern und Burgen, gut erhaltenen Burgruinen und steil zum Rhein hin abfallenden Weinbergen. Loreley inklusive. Hier dann bitte nicht erschrecken, wenn die Japaner aufspringen und Heines Loreley intonieren. Macht man so…

Zur Historie:

Die „Goethe“ wurde 1913 auf der Werft „Gebrüder Sachsenberg“ in Köln-Deutz als Halbsalongüterschiff gebaut. Hinten befand sich der Salon für die Gäste, auf dem vorderen Teil wurden Waren transportiert. 1925 wurde die „Goethe“ dann zu einem reinen Personenschiff umgebaut. Den 1. Weltkrieg hat das Schiff schadlos überstanden, im 2.Weltkrieg gab es 1945 einen Bombenvolltreffer. Das Schiff versank bei Oberwinter im Rhein. 1949 wurde es gehoben und 4 Jahre später erneut in Fahrt genommen. Gefeuert wurde damals mit Kohle, 1955 die Umstellung auf Ölfeuerung. Um höhere Fahrgeschwindigkeiten zu erreichen, wurden erstmals bei einem Schiff dieser Größe auf dem Rhein in erheblichem Umfang Leichtmetalle für die Aufbauten verwendet. Die „Goethe“ erhielt damals den Zusatz „Expressdampfer“.

Innen gibt es teilweise ein Art-Déco-Ambiente, das an die „goldenen“ 20er Jahre erinnert. Insgesamt verfügt die „Goethe“ über 600 Sitzplätze. Alle Räume sind behindertengerecht ausgestattet und klimatisiert. Oberhalb der Schaufelräder gibt es rechts und links gibt es Freiluftdecks.

Offen bleibt die Frage, was mit der Waschfrau nach der Umrüstung geschieht…

Siehe auch: WDR – Goethe lässt Dampf ab

11000 BauchtänzerInnen für Köln – Kölsches Bauchtum gegen Faschoköppe / am 20.09.08

Liebe Jecken!
Weil wir der „Anti-Islam-Kundgebung“ von „Pro Köln“ nicht die Bühne überlassen wollen, möchten wir symbolträchtige 11000 BauchtänzerInnen gegen die rechtsradikale Haßkampagne mobilisieren.

Dafür brauchen wir Eure Unterstützung! Mitmachen kann jeder, der Lust hat Bauch zu zeigen und/oder, sich kostümiert in den Hüften zu wiegen. Ausserden suchen wir Musiker, die orientalisch klingen (können) und Unterstützer, die diese jecke Idee mit ihrem guten Namen weiterverbreiten.

Alles weitere ergibt sich, der Treffpunkt wird am 20.09. um 11 Uhr 11, wahrscheinlich im Rheingarten/Altstadt sein (Genaueres beizeiten!). Wir wollen die ganze Sache mit möglichst wenig Organisation über die Bühne bringen, also im modernisierten Schneeballsystem über Internet/Websites, gute Verteiler in viele Teil-Szenen und Flyer. Comcologne bringt hintergründige Infos über Bauchtanz und aktuelle Meldungen.

In freudiger Erwartung!
Euer Bauchkommitee

Wer die jecke Aktion namentlich unterstützen möchte, bitte melden!
Mehr Infos bald auf www.comcologne.de,
www.11000baeuche.de und www.humba.de