janz weit draussen

Die teuerste Brachfläche Deutschlands

Über 1000 Menschen mussten bereits ihre Wohnungen verlassen. Es ist die größte Umsiedlung in NRW seit Kriegsende. Doch was nach dem Abriss der Barmer Siedlung mit dem Kölner Areal tatsächlich geschieht, ist noch völlig ungeklärt. Eigentlich sollte hier im rechtsrheinischen Teil der Stadt die neue Skyline von Köln entstehen – im Mittelpunkt ein imposantes Hochhaus des Stararchitekten Helmut Jan. Doch weil dieser Glaspalast die Gesamterscheinung des berühmten Doms als Weltkulturerbe gefährde, so die UNESCO, wurden die hochtrabenden Pläne kurzerhand wieder eingestampft. Und trotzdem, der Abriss hat erstmal begonnen. Im WM-Jahr haben die Verantwortlichen der Stadt Köln scheinbar das bräsige „Schau ‚mer mal“ des ‚Kaisers‘ übernommen und agieren ähnlich kopflos. Immerhin: Es regt sich Widerstand. Seit fast zwei Monaten ist der Barmer Block besetzt.

Links: Unterschriftensammlung, Fotostrecken – Barmer Viertel, Infoportal – Barmer Viertel

Müllmenschen

Müllmenschen

Sie waren schon auf der Chinesichen Mauer, an den Pyramiden von Gizeh, auf dem Roten Platz in Moskau. Selbst auf 2800 Metern Höhe am Matterhorn und in 880 Meter Tefe im möglichen Atomendlager Gorleben: die „Trash People“ von Aktionskünstler HA Schult. Bis zum 1. Mai sind die 1000 Müllmenschen nun nach ihrer 1999 begonnenen Weltreise am Kölner Dom aufgereiht. Zusammengesetzt aus Dosen und Kanistern, Computerschrott und anderem Abfall.

Wer zu Hause noch nicht genügend Müll hat, kann eine signierte Skulptur zum Schnäppchenpreis von 6000 Euro käuflich erwerben.

Stunk

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ihr Ermittlungsverfahren gegen die „Stunksitzung“ wegen des Verdachts der „Verletzung von religiösen Gefühlen“ und „Störung des religiösen Friedens“ eingestellt. Die Anklagebehörde war der Anzeige eines älteren Herren aus dem Münsterland nachgegangen, den ein Sketch über „Ratze und Meise“ aus der himmlischen Ruhe gebracht hatte. Doch anders als dieser konnte sie kein strafrechtlich relevantes Verhalten erkennen. Die Stunker sehen einen „wichtigen Erfolg für die Satire- und Kunstfreiheit und für das Recht auf freie Meinungsäußerung“. Der WDR hatte die kirchenkritische Nummer aus seiner Fernsehübertragung wegzensiert. Kennt man noch von Jürgen Beckers legendärem „Äwar a Aaschloch isser doch“. Gemeint war Kardinal Meisner.

lit.COLOGNE

Daß die lit.COLOGNE sich in kurzer Zeit zu einer Institution im literarischen Leben der Bundesrepublik gemausert hat, ist schon bemerkenswert. Denn hoch hinaus wollten schon viele, die Kölner aber sind oben angekommen. Das sieht ja beim Fußball anders aus 😉 Wer einmal dort war, schwärmt von der Stimmung, von der Begeisterungsfähigkeit des jungen Publikums. Lieratur als Pop, aber zum Glück ohne Next Generation German-Popliteraten. Die sitzen ja alle im Berliner Adlon und spielen Tristesse Royal.

lit.cologne.jpg

Das vollständige Programm kann hier als PDF heruntergeladen werden, eine Programm-Übersicht gibt es dort.

Die lit.COLOGNE findet vom 10.3. bis zum 18.3 statt.

Gelebtes Heidentum: Der Geisterzug in Blankenheim

chronik.gif
„Blankenheim darf sich rühmen, als einziger Ort des Rheinlandes den Geisterzug ununterbrochen beibehalten zu haben. Es ist hier herkömmliches Brauchtum zur Fasenacht, daß alljährlich am Samstagabend bei großer Beteiligung des 1000 zählenden Burgstädtchens unter den Klängen des rhythmisch und melodisch eigenartigen ‚Juh-Jah‘ der Geisterzug loszieht, um als wirbelnder Tanz, der Frühlingsgeister die finsteren Winterdämonen zu vertreiben. Die Geister sind in Bettlaken gehüllt, deren Zipfel an der Stirn zu Hörnern geknotet sind. Mit schwingenden Pechfackeln geht der Tanz der Burgtalgeister durch die illuminierten Straßen und Gassen, wobei die mittelalterlichen Tore und das Burgmassiv in farbenprächtige Brände getaucht sind. An der Spitze des Zuges springen die beiden ‚Jecken Böhnchen‘ in ihrem immer wieder begeisternden Tanzschritt. Im Gegenzug kreuzen sie die Pechfackeln und in den Zügen der eigentlichen Karnevalstage die Klingen. Prinz Karneval reitet als beflügelter Obergeist auf einem Rappen der weißen Unterwelt voran“, schreibt Karl Otermann 1956 über den Blankenheimer Geisterzug.

Schon vor 393 Jahren wurde in Blankenheim Karneval mit Schelleböumche, Jecke Böhnche und – als Höhepunkt – dem Geisterzug gefeiert. Jedes Jahr werden alte Traditionen während der tollen Tage lebendig und das Ahrstädtchen rüstet sich zum bunten Treiben der Frühlingsgeister. Höhepunkt ist der traditionelle Geisterzug am Karnevalssamstag. Unter den Klängen des rhythmisch und melodisch klingenden Blankenheimer Karnevalsschlagers, dem Juh-Jah, zieht der Geisterzug durch die romantischen Winkel und Gassen des Ahrstädtchens. Nach alter Tradition sind die Geister in Bettlaken gehüllt, deren Zipfel an der Stirn zu zwei Hörner geknotet sind. Wer möchte, kann nicht nur zuschauen, sondern als Geist durch das Eifelstädtchen spuken. Ausgerüstet mit lodernden Pechfackeln springen die Geister durch die illuminierten Straßen und Gassen. Ab 19.11 Uhr können die finstren Winterdämonen vertrieben werden.

Mehr über den Geisterzug in Blankenheim gibt’s hier, eine Wegbeschreibung dort.

Siegburg goes NY

Siegburg soll ein Hort von Ordnung und Sauberkeit werden. Da eine weggeworfene Zigarettenkippe bekanntlich verantwortlich ist für die Verwahrlosung von Mensch und Innenstadt, gibt es in Siegburg künftig eine Antischmutz-Aufklärungskampagne und seit dem ersten Januar eine neue Bußgeldverordnung: Wegwerfen von Zigarettenkippen, Obst- und Essensresten, Füttern von Tauben, „aggressives Betteln“ bis hin zu fehlenden Hausnummern an der Fassade werden in der Regel mit 15 bis 35 Euro geahndet. Auch die gute alte Blockwartmentalität findet im propperen Städtchen an der Sieg ein Zuhause. Zur Durchsetzung der Verordnung werden bei der Stadt eigens einige „geringfügig beschäftigte“ Mitarbeiter eingestellt. bnlog.de wünscht „Weidmannsheil“.