kulinarik

Bringdienste – Die Frage zum Sonntag 1

Ab sofort jeden Sonntag eine Publikumsfrage. Heute:

Welche richtig guten und leckeren Bringdienste gibt es in Bonn?

Seitdem ich in Bonn bin, sind mir die Lieferanten von fertigem Essen suspekt. In keiner Stadt, in der ich vorher gewohnt habe, gab es solche Allrounder. Sie schaffen es, innerhalb einer Karte Pizza, Nudeln, Schnitzel, Döner, asiatisches und indisches Essen anzubieten. Schwer nachzuvollziehen, dass all diese Rubriken bei ein und demselben Koch optimal sein sollen. Trotzdem war ich immer mal mutig, einen neuen Anbieter auszuprobieren, habe aber erst einen erträglichen gefunden. Den verrate ich nächstes Wochenende. Jetzt sollen erst einmal Eure unvoreingenommenen Tipps in die Kommentare.

Nudelei in Endenich

Schild Nudelei

Nachmieter des Endenicher Reisebüros ist seit einigen Monaten die Nudelei. Hier kann man nicht nur frische, leckere selbst gefertigte Nudeln und Soßen in diversen Sorten kaufen, sondern auch direkt vor Ort mit Soße verspeisen. Täglich wechselnd gibt es zwei Mittagsgerichte, außerdem ein Antipasti-Büffet. Dem Koch kann man auf die Finger schauen, wenn er den frischen Teig durch die Maschine nudelt. Nudeln und Soßen werden aus frischen, möglichst regionalen Zutaten zubereitet. Die großen Portionen kosten zwischen fünf und sieben Euro. Leckere Alternative zu den sonstigen Mittags-Fastfoods Döner, Pizza, Chinapfanne … Seit kurzem gibt es auch zwei Tische draußen an der frischen Luft. Und zum Nachtisch gibt es nebenan ein Eis.

Nudelei, Endenicher Straße 302, 53121 Bonn, Mo-Fr 10-19 h, Sa 9-14 h, Blick von oben, Fon 0228 22797809

Update: Montag nachmittag geschlossen

Kleiner Geheimtipp – Erdbeertag

…falls sich das noch nicht rumgesprochen hat, die besten Erdbeeren Bonns gibts übrigens bei Schneiders Obsthof. Und der ist unter anderem in Beuel auf dem Markt und oben bei der Uni-Klinik mit einem Straßenstand zu finden. Morgen gibts jetzt im Berkumer Einkaufszentrum den Erdbeertag von Schneiders Obsthof. Mit Erbdeekuchen, kalten Getränken und leckerem vom Grill, einer Strohburg und einem Bauernhof Zoo für Kinder. 

Also wer noch nichts vor hat und sich nicht vom Wetter unterkriegen lassen will.. aber nach Berkum! Erdbeeren futtern!

Bonner El Dorado

aussichteldorado1

Eine schöne Aussicht auf Bonn hat man auf der Terrasse des Restaurants El Dorado. Das spanische Lokal in Duisdorf hat eine überschaubare Karte (meiner Meinung nach ein Qualitätsmerkmal), die durch Tagesangebote ergänzt wird. Von letzterer haben wir den delikaten lauwarmen Meeresfrüchtesalat für etwas über 12 € probiert. Vorneweg gab es die  leckere Vorspeisenplatte für akzeptable 10,50 €. Auch das Knoblauchhähnchen ist eine lobende Erwähnung wert: die Tapas-Portion mit Sherry flambiert für 9,50 €. Die Website des Restaurants ist leider lange nicht gepflegt und die dortige Karte nicht aktuell. Fazit: Spanier mit gehobenem Preis- aber auch Qualitätsniveau.

Restaurant El Dorado, Wesselheideweg 59, 53123 Bonn-Duisdorf, 0228 2499966, Mo & Mi-Fr ab 17 h, Sa- So 12-14 h und ab 18 h, Di Ruhetag,  Blick von oben

Terrasse des Restaurants El Dorado

Warum man seinen Kaffee nicht im Einstein trinken sollte.

Guter Kaffee „to go“ ist wirklich eine Sache, für die ich mich richtig begeistern kann. Ein schöner, großer Pappbecher mit duftenden und dampfendem Kaffee plus einem schönen Häubchen geschäumter Milch ist für mich, seit Kaffee sein „Melittafiltertüten mit Aromaporen-Exil“ verlassen hat, zu einem kleinen Stück Alltagsluxus geworden.

Irgendwie reicht mir schon der Becher in der Hand. Der muss natürlich nett aussehen und eine ansprechende Größe haben – bleib mir weg mit diesem Futzelbecherchen von Tchibo – aber in dem Moment in dem man mir diesen Becher in die Hand drückt, geht’s mir besser. Eine gewisse Entspannung setzt unmittelbar ein, selbst im Vorweihnachtsgeschäft und mitten in der Stadt. Es ist ein wenig, als würde der Becher in meiner Handfläche einen Mute-Button aktivieren, der für eine Weile das ganze Heckmeck um mich herum auf Lautlos schaltet.

Aus diesem Grund und da ich zu allem Überfluss nur wenig Kaffee vertrage, zelebriere ich meinen Kaffee to go natürlich. Wie gesagt, Tchibo kommt mir nicht in den Becher, Backshop-Shop oder Tankstellen-Kaffee sowieso nicht, mit Cafetiero werde ich auch nur bedingt warm. Hingegen bin ich durchaus ein Starbucks-Fan, aber es gibt auch guten Kaffee ab davon, beispielsweise im Cafe Cultura auf der Friedrich-Breuer-Str. in Beuel, im Cafe Podcast oder im Petit Cafe in der Thomas-Mann-Str. (dazu gibts in Kürze hier mehr), darüber hinaus ist der Illy Kaffee bei Häagen Dazs sehr gut und dann gibt’s da noch den vom Einstein. Letzterer ist wirklich gut. Kann man nicht anders sagen und wenn man masochistisch veranlagt ist, dann bringt es einem vermutlich auch eine gewisse Zusatzbefriedigung seinen Kaffee beim Einstein zu holen, wenn nicht, dann wirds vermutlich schwer…

Jetzt mal Hand auf´s Herz? Wo hat man denn jemals ausserhalb von Berlin eine so unglaublich unfreundliche Bedienung erlebt (die noch dazu jeden Charme von Berliner Schnauze entbehrt)? Es ist mir ein Rätsel, wie es sein kann, dass da eigentlich immer wenn man dran vorbei geht eine lange Schlange vor der Theke steht, ja der Kaffee ist gut, aber was ist mit dem Erlebnis?

Als kleines Beispiel: Vor mir hat kürzlich eine Frau einen mittleren Cappuccino und einen Ingwer-Cookie bestellt, ich wollte einen kleinen Chai-Latte (zum Mitnehmen). Beide hatten wir bestellt, die erste Bestellung wurde weitergebrüllt (5cm Raum bis zum Mitarbeiter an der Kaffeemaschine, aber man könnte meinen es läge ein Fussballfeld da zwischen), die zweite Bestellung wurde weiter gebrüllt: „Ein Medium Chai Latte zum hier trinken.“ Ich habe reklamiert, dass ich erstens einen kleinen wollte und zweitens den Chai gern mitnehmen würde. Schnaufen. „Der Chai ist jetzt zum Mitnehmen. 2,80 bitte!“ Rückfrage aus dem Hintergrund: „Ist der Cookie dann jetzt auch zum Mitnehmen?“ Ich wollte immer noch einen kleinen für 2,30 und keinen Cookie, die Frau vor mir schon, sie bekam ihn nicht. Schnaufen. „Der Chai zum mitnehmen ist jetzt ein kleiner Chai zum Mitnehmen.“ Daraufhin wieder die Frage nach dem Cookie, den ich immer noch nicht wollte und den die Frau vor mir immer noch nicht bekam, bezahlt hatte sie natürlich schon. Macht nichts. Ich bekam meinen Chai und einen Cookie auf einem Teller mit der Frage ob ich den nicht auch mitnehmen wolle. Wollte ich nicht. Aber einen Deckel für meinen Becher vielleicht? Jetzt nicht! Denn es gilt erstmal herauszufinden, wer den Cookie bekommt. Die Frau vor mir, endlich. Erleichtert und dankbar. Ich musste mir derweil vom Rücken meiner Bedienung anhören, dass Kunden wie ich ja das letzte seien. Mittlerer Chai hier, dann mitnehmen, dann kleiner Chai und schließlich noch die Sache mit dem Cookie. Gute Frau, ich kann Dir nur sagen, sei dankbar, dass meine Hand einen Mute-Button hat. Sonst hättest Du jetzt einen lauwarmen kleinen Chai zum Mitnehmen im Kreuz.Vor mir wartete die Frau mit dem Cookie immer noch auf ihren Cappuccino, wahrscheinlich steht sie immer noch da….

Ganz im Ernst Leute, das klappt so nicht auf ewig. Neben vielen kleinen Läden, in denen man in Bonn mittlerweile einen wirklich anständigen „Coffee to go“ bekommt, gibt´s in der Stadt zwei Starbucks-Läden, einen Cafetiero und zumindest akzeptablen McDonalds Kaffee an fast jeder Ecke. Wenn ich schon 3-4 € für meinen Kaffee (oder Chai) bezahle, dann kann ich dafür doch zumindest ein Minimum an Freundlichkeit erwarten? Ich will Euch doch gar nichts. Im Gegenteil. Ich mag Euren Kaffee und ich komme zu Euch um meinem persönlichen Kaffeeritual zu huldigen. Aber damit ist jetzt erstmal Schicht. Wenn ich mich anpöbeln lassen will, fahr ich nach Berlin, die wissen wenigstens wie das geht.

Bonner Restaurantführer

Schon seit einigen Monaten im gut sortierten Zeitschriftenhandel (z. B. in dem oberirdischen im Hauptbahnhof) erhältlich: Der Bonner Restaurantführer. Die gut 200 Seiten dicke Publikation wäre um einiges dünner, wären da nicht die zweifelhaften »Top Listen«. Das sind luftig gestaltete Listen von 5 bis 10 Restaurants unter Überschriften wie »Places to be«, »Asien«, »Feines der Region« oder »Ausgezeichnet«. Die ca. 400 Restaurantbeschreibungen im Teil dahinter machen keinen sonderlich kritischen Eindruck, mangels besserem Werk mit Bonner Fokus macht die Anschaffung aber trotzdem Sinn.

Rheinisches Ocean Paradise

oceanparadise

Das wohl von außen optisch exotischste Chinarestaurant in Bonn ist das in der Nähe der Kennedybrücke ankernde Restaurantschiff »Zhang China Restaurant Ocean Paradise«. Auf zwei Decks finden hier bis zu 200 Personen Platz. Bei unseren bisherigen Besuchen war aber immer nur ein kleiner Bruchteil davon anwesend. Von den meisten Speisen wird der europäische Chinarestaurantgänger nicht überrascht. Wir haben uns heute zu einem »Menü des Drachen« hinreißen lassen. Das war gehobener Durchschnitt, qualitativ in Ordnung, aber mit einem Hang zum uniformen, frittierten, fettigen. Besser wäre wohl wie früher die Wahl eines Gerichts aus den Speisekarten-Rubriken Sa-Za-Gerichte (gewürzt mit einem speziellen chinesischen Gewürz, angeblich das Lieblingsgewürz von Paul Newmann), Tie Pan (Gerichte auf heißer Eisenplatte) oder Gourmet-Gerichte des Hauses (hier sind in jedem Fall die Namen der Gerichte authentischer). Ein Pluspunkt für Familien – weil Attraktion für den Nachwuchs – ist das Becken mit Fischen und Schildkröten auf dem unteren Deck. Bisher nicht testen konnten wir die abendlichen einstündigen Panoramafahrten am Wochenende bis zum Wasserwerk unterhalb der Oberkasseler Brücke und zurück. Das Schiff selber war übrigens die frühere Autofähre Königswinter II (Baujahr 1929), die 1988 vor der Verschrottung gerettet und zum Chinaschiff umgebaut wurde.

Zhang China Restaurant Ocean Paradise, Hans-Steger-Ufer 10, 53225 Bonn-Beuel, 0228 9763988, info@chinaschiff.de, Mo.-Fr. 11:30-15:00 und 17:30-23:00, Sa., So. und feiertags 11:30-23:00 h, Blick von oben

Gans der armen Leute

Seit ich in Bonn wohne ist es mein absolutes Lieblingsgericht: Kesselskuchen. Manche sagen dazu auch Knällchen. Oder Döppekooche. Oder Puttes. Auf jeden Fall beinhaltet es einen Haufen Kartoffeln, Zwiebeln, Salz und Speck und zählt zu den rheinischen Traditionsgerichten. Als »Gans der armen Leute« kam es früher zu St. Martin auf den Tisch.

Wer mal probieren möchte: Die Arbeiterwohlfahrt veranstaltet auch in diesem Jahr ein Kesselkuchenessen: Freitag 7. November, 17 Uhr im Begegnungszentrum an der Neustraße 86 in Beuel.

Wer selber mal kochen möchte:

4 gekochte Kartoffeln
1 kg rohe Kartoffeln (festkochend)
1 Brötchen
150 ml heisse Milch
250 g geräucherter Speck
2-3 Mettenden (kleine Mettwürste)
2 El. Öl
2 Zwiebeln
1-2 Eier
Salz
Pfeffer
Muskat

So geht’s :

Gekochte und rohe Kartoffeln fein reiben. Das Brötchen in der Milch einweichen und ausdrücken. Den Speck in kleine Würfel und die Wurst in kleine Scheiben schneiden. Beides in einem großen (am besten Gusseisen-)Topf in etwas Öl anbraten. Die restliche Milch dazugeben.
Dann Kartoffeln, fein geriebene Zwiebeln, das Brötchen und die Eier hinzufügen und mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Anschliessend alles gut verrühren.
Topf ohne Deckel in den vorgeheizten Ofen stellen und bei 160 Grad Celsius etwa 2 Stunden backen lassen.

Beueler Schlagobers

Nach längeren Abriss-Umbau-Abriss-Umbau-Überlegungen ist aus dem schäbigen Haus an der Ecke das Café Habsburg entstanden. Der ehemalige Geschäftsführer der Bundeskunsthalle Wilfried Gatzweiler erfüllt sich auf der Schäl Sick mit dem Wiener Café einen Kindheitstraum. Über zwei Etagen gibt’s ab sofort sieben Tage in der Woche Fiaker, Verlängerte Schwarze und Wiener Melange. Für 4 €, 2 € bzw. 2,40 € kann man österreichische Kaffeekunst genießen. Auch Trinkschokolade steht auf der Getränkekarte: »Eine der erlesensten Vollmilch Trinkschokoladen weltweit, leider teuer« (3,80 €).

Café Habsburg | Friedrich-Breuer-Str. 67 | 53225 Bonn | 0228 – 85 44 76 81

Endlich Rauchverbot auch in Bonn

Nun hat es selbst NRW geschafft: auch in Gaststätten und Kneipen herrscht seit gestern in der Regel ein Rauchverbot. Feige, dass es im Sommer in Kraft tritt und nicht wie in fortschrittlicheren Bundesländern bereits zum Jahresanfang. Denn jetzt spielt sich bei dem momentanen sommerlichen Wetter viel an den Tischen vor den Etablissements ab. Und dort darf fleißig weitergequalmt werden. Mal sehen, ob die Bonner RaucherInnen den Anstand besitzen, den ich bereits vor Jahren in Norditalien erlebt habe: Auch bei den dort draußen sitzenden Gästen hat keiner geraucht, sondern die RaucherInnen sind aufgestanden und sind etwas zur Seite gegangen, um ihrer Sucht nachzukommen.
Um noch etwas mehr zu polarisieren: das zuständige Landesministerium schreibt auf seiner Website (dort gibt es auch noch diverse andere Infos zu Regelung in NRW), dass »bundesweit jedes Jahr mehr als 3000 Nichtraucherinnen und Nichtraucher durch inhalierten Zigarettenrauch sterben«. Andere Staaten beginnen bei solchen Opferzahlen (aufgrund anderer Ursachen) Kriege.