kulinarik

Koblenz ist näher als Rom. Oder: noch ein Ausflugstipp

„Sitz der besten italienischen Eisdiele der Region“ ist nicht unbedingt das Erste, was einem zu Koblenz einfällt. Deutsches Eck vielleicht eher, Riesling; Mosel-und Rheinzusammenfluss, Festung Ehrenbreitstein, vielen vor allem wegen der Jugendherberge bekannt.
Doch tatsächlich versteckt sich in der Altstadt die Eisdiele eGeloSia, deren Eis ungeschlagen ist. Weicht sie schon grundsätzlich von allen optischen bunt-messingfarbenen Gestaltungsprinzipien der Eisdielen in Deutschland ab, so ist vom Eis auf jeden Fall zu sagen, dass es seinesgleichen sucht. Bei eGeloSia schmeckt Pistazie nach Pistazie, weil drin ist, was drauf steht. Es ist nicht so grün wie sonst, aber dafür ohne Farbstoffe. Schoko gibt es als „normale“ und als Version für Bitterschokoladenliebhaber. Das ist dann keine Milchspeiseeiszubereitung mit Kakaoanteil, sondern richtiges Schokoladeneis. Mit im Programm sind Fruchteise als Sorbets, geeistes Tiramisu und Mousse-Eis, mehrfach wechselnd in einer anderen Variation. Die Eiskreatoren von eGeloSia lassen sich auch in die Karten sehen: neben dem stylisch eingerichteten und in sonnigem Dottergelb gehaltenen Verkaufsraum, in dem das Eis in Becher gestrichen (nicht gekugelt!) über die blitzende Edelstahltheke geht, sieht man durch große Glasscheiben in die Eismanufaktur. In gulaschbombengrossen Behältern werden dort die kalten Köstlichkeiten angerührt und die Eiskristalle so klein wie möglich gehalten. Nur durch viel Rühren und Luft entsteht aus den klassischen Eiszutaten Milch, Eigelb, Zucker plus Geschmackszutaten richtig gutes Eis, das auf der Zunge nicht kalt wirkt. Und das diese unbeschreiblich perfekte Konsistenz hat, wie man sie sonst nur direkt in Italien findet.
Was eGeloSia nicht bietet, sind bunte Glasbecher, in denen aufwändig dekorierte Kreationen serviert werden. Wer sich hinsetzen möchte, muss außerdem auf die Bänke auf dem kleinen Platz an der Elisabethkirche ausweichen. Dafür ist aber für einen sicheren und kühlen Transport gesorgt, wenn man das Eis zuhause verzehren möchte: Thermobehälter bewahren das Eis davor, noch vor dem Verzehr zu schmelzen. Diese dann wiederum noch gefüllt ans Ziel zu bekommen, ist nur mit viel Disziplin zu bewerkstelligen.

eGeloSia
Braugasse 6/ An der Liebfrauenkirche
Filiale: im Löhrcenter
Anreise am schönsten und kalorienärmsten per Fahrrad (ca 70km immer am Rhein entlang).

Zur Orientierung: Vom Münzplatz aus an der Ecke, auf der die Pudel Lounge und das Chinarestaurant sind, in Richtung Kirche laufen. Die Strasse fällt leicht ab. Nach ca 70 m auf der linken Seite.

PS: Koblenz hat noch eine Attraktion: der Flohmarkt entlang des Moselufers in Richtung deutsches Eck. Findet nur 2x im Jahr statt, das nächste Mal im September. Günstig für Ein- und Verkäufer; die Standgebühr beträgt hier nur 1,50€/Meter. Sehr nette Verkäufer, viele Raritäten aus den Keller der moselaner Winzer und Anrainer.

Früh übt sich .. oder: Schoki im Sommer

Wie sagte kürzlich jemand so schön: es sind ja nur noch 6 Monate bis Weihnachten und damit man sich gebührend physisch und psychisch darauf vorbereiten kann, hier ein sommerlicher Hinweis auf den hübschesten aller Bonner Läden für alle Liebhaber der essbaren Genüsse: Der Schokoladen in der Bonner Münsterstraße. Sommers wie Winters fühlt man sich als Teil eines riesigen Schoko-Vanille-Eisbechers, umwabert von den köstlichsten Düften nach Schokolade, Karamell und Kaffee. Mittlerweile hat Inhaberin Daniela Caster zig Sorten Schokolade (und was man daraus machen kann) zusammengesammelt und liebevoll in den schokobraunen Regalen präsentiert. Passend zur schulterfreien Jahreszeit hat sie eine Schoko-Bodypaintfarbe entwickelt, deren Verwendung (und vor allem Wiederentfernung…) der eigenen Fantasie überlassen ist. Wer bei der Hitze auf solch klebrige Erlebnisse nicht steht, kann sich dennoch mit Eiscafé und Eisschokolade verwöhnen lassen.
In ihrer Vergangenheit scheint Frau Caster Tupper-Vertreterin gewesen zu sein, denn ab und zu schleicht sich in ihre Mails ein Hinweis auf eine nächste Tupperparty. Nach einem sehr gruseligen Erlebnis auf einer Tupperversammlung, auf die ich vor mehr als einem Jahr eher zufällig geraten bin, sehe ich mit großer Skepsis auf diese Produkte bzw. die Firma. Aber der Schokoladen ist wiederum so toll, dass ich diesen Wermutstropfen sportlich nehme und schon überlege, ob man nicht mal eine traumaüberwindende Schokoparty mit Tupperanteil veranstalten sollte…
PS: Ich kanns mir nicht verkneifen; der tollste Ausspruch war bei genanntem Event „Und bitte schärfen Sie ihren Kundinnnen ein, dass sie den heissen Tupperbräter [sic!] nicht an den Griffen aus dem Ofen nehmen. Diese brechen sonst ab.“

Kaffee auf Rädern

Nach langen Jahren süchtigen Sehnens nach einem Espressomobil wie es in Karlsruhe schon lange existiert, wurden meine Wünsche vor etwa einem Jahr erhört. Seitdem bietet der feuerrote Kaffee-Roller montags, mittwochs und freitags auf dem Platz vor der Kreuzkirche am Kaiserplatz (Samstag: Beueler Markt) den meines Erachtens besten Espresso Bonns an. Durch das Fahrzeug – eine dieser dreirädrigen italienischen Ape, die in Italy allerorts durch die Gassen düsen – kommt Urlaubsstimmung auf, die durch die italientauglichen Preise noch vermehrt wird. Der Roller gehört einem jungen Pärchen mit Barista-Ausbildung und hat seine Homebase im „Frau Holle“ (Breite Straße) in der Bonner Altstadt. Ein Besuch lohnt sich auch dort, denn der Kaffee wird in sehr hübschen handbemalten Tässchen serviert.

Regional einkaufen: Ziegenkäse aus Rheinbach

Ein kurzer Ausflugstipp für alle Ziegenkäseliebhaber:
Milchziegenhof Minten
Peppenhove 8
53359 Rheinbach
02226 2883

Hofkäserei mit Bauernladen. Der Hof ist gut mit dem Rad erreichbar. Bisher wurden die eingelegten Ziegenkäsebällchen mit Kräutern getestet: sehr lecker. Der Gouda soll etwas lasch sein.
Ziegenfrischkäse: natur, mit Gartenkräutern
Pfefferbällchen, Kräuterbällchen in Sonnenblumenöl
Ziegenweichkäse Feta Art: natur, mit Gartenkräutern und Knoblauch in Sonnenblumenöl
Schnittkäse Gouda Art
Ziegenfrischmilch (Gefäß mitbringen)
Saisonbedingt: Ziegensalami, Lammfleisch

Öffnungszeiten:
Mo: 17-18
Di-Fr: 14-18
Sa: 9-14

Im Hofladen gibt es noch mehr, z.B.: Marmeladen, Eierliköre, Nudeln, Kartoffeln, Eier, …

Sonntagsbrunch

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Jeden Sonntag gibt es in Endenichs Irish Pub »The Fiddlers« einen Internationalen Brunch mit gutem Preisleistungsverhältnis (knapp zehn Euro pro Nase). International, weil sich die Küche jede Woche kulinarisch einem anderen Land widmet. Nur morgen, da heißt er einfach Oster-Brunch. Eine Übersicht über die nächsten Termine gibt es auf der Fiddlers-Website. Anders als in der benachbarten Harmonie gibt es im Fiddlers wenigstens einen Nichtraucher-Bereich.

Zweifelhafter Stern

Auch im diesjährigen Michelin-Führer taucht wieder ein Stern für Halbedel’s Gasthaus auf. Anlaß genug, noch ’mal mein letztes Erlebnis dort hervorzukramen.
Spätestens seit dem Buch von Pascal Rémy ist das Gerücht im Umlauf, dass es für Restaurants leicht ist, einen Stern zu behalten. Es wird einfach zu schlecht kontrolliert, so die These. Hat man erstmal einen Stern erkocht, könne man sich ausruhen.
Dieser Eindruck drängte sich uns bei einem Besuch von dem michelinbesternten Halbedel’s Gasthaus in Bad Godesberg auf. Wir hatten für 21 Uhr einen Tisch bestellt und kamen 20 Minuten zu spät. Nach einem bescheidenen Empfang dauerte es noch einige Zeit, bis der Chef sich bequemte, die Karte zu bringen. Er eröffnete uns, wir könnten kein Menü mehr bekommen, weil wir so spät gekommen seien. Auf die Frage, warum man uns das nicht bei der Reservierung gesagt hätte, antwortete er, um 21 Uhr wäre es ja noch gegangen. Rückfrage: »Wegen zwanzig Minuten wollen Sie uns kein Menü mehr servieren?« Antwort: »Es ist ja jetzt schon kurz vor zehn. Gnädigerweise durften wir dann noch drei Gänge bestellen. Na gut, dachten wir, lassen wir uns nicht den Abend verderben und genießen wir das Essen.
Doch das Essen war entäuschend für ein Restaurant dieser Preislage und Dotierung. Handwerklich absolut okay, aber aromatisch hervorsehbar und unspannend. So etwa das Niveau des früheren Hotelrestaurant Brasserie im Dorint Venusberg (dort gab es aber keinen Stern und das 3-Gänge-Menü kostete 25 €). Und der Service: Überhaupt nicht standesgemäß: anrempeln und quer über den Tisch servieren. Find’ ich ja normal nicht so schlimm, aber in dieser Preisklasse doch verwunderlich. Waren die zu hochnäsig uns gastfreundlich zu behandeln? Oder mittlerweile einfach Godesberger Dienstleistungsmuff? Schade.
Den anderen Bonner Michelin-Stern trägt das Restaurant l’orquivit im Dorint-Hotel auf dem Venusberg. Da gehen wir nächstes Mal hin.