mitarbeiter des monats

17 Quadratmeter Italien

Da müsse ich mal vorbei, sagte die Kollegin. Ich stehe ja auf italienische Caffébars, drum. Also fahr’ ich mal vorbei: Ecke Poppelsdorfer Allee/Fußgängerunterführung, zum Café Sued. Die kleine Kaffeebar liegt gleich gegenüber vom Bristol an der S-Bahnhaltestelle. Dementsprechend geht’s zu wie im Taubenschlag. „Hallo Susanne, Latte machiatto?“. Daniel Albrecht kennt seine Gäste.
Auf 17 Quadratmetern ist das besser so. Ziemlich intim, ziemlich wuselig, ziemlich nett. Hat sie recht gehabt, die Kollegin. Und: Auch als „Fremder“ wird man schnell aufgenommen. Sehr italienisch eben.

Daniel, du betreibst seit vier Jahren das Café Süd, wie kam es dazu?
Ich habe hier in der Ecke gewohnt und zwanzig Jahre im Hotelfach gearbeitet. Als dann hier in diesem Laden nur Zwischenlösungen parkten, dachte ich mir: was in Italien funktioniert, funktioniert hier auch – eine Kaffeebar mit Charme.
Es sollte so einfach, wie möglich sein, drum habe ich alles selbst eingebaut.

Wie lief es zum Start, wie läuft es heute?
Anfangs hatte ich eine 6-Tage-Woche, ich war ständig im Laden. Das ist wichtig, weil ich den Standort etablieren wollte und mir auch wichtig war, wie Gäste hier empfangen werden. Neben gutem Caffé sollen die Menschen auch begrüßt und freundlich verabschiedet werden und überhaupt eine besondere Atmosphäre bekommen.
Das erste Jahr war entsprechend hart, ich habe viel Zeit investiert. Aber es hat sich gelohnt. Nach zehn Monaten hatte ich die erste Aushilfe. Das zweite und dritte Jahr lief besser. Heute bin ich zufrieden. Es gibt viele Stammkunden, die morgens vor der Arbeit vorbeischauen oder auf dem Weg zur Uni hier halten.

Wie oft stehst du heute hinterm Tresen?
Ich habe eine Fünftagewoche und bin jeden Vormittag hier. Zwei Monate lang habe ich sogar Elternzeit genommen und eine Kollegin das Café Süd managen lassen.

Woher beziehst du deine Kaffeebohnen?
Die stammen von Zandegiacomo, die seit 40 Jahren in Deutschland sind und italienische Waren importieren und vertreiben. Meine Verwandschaft, denn mein Vater ist Italiener. Den Caffè vertreiben wir gemeinsam.

Nach den vier Jahren in der eigenen Kaffeebar: Kannst du zuhause überhaupt noch Kaffee trinken?
Aber klar. Zuhause trinke ich gerne Filterkaffee. In der Bar trinke ich auch genug – und außerdem gehe ich gerne in andere Cafés, um zu schauen und zu lernen. Aber auch weil ich es mag.

Deine Favoriten?
Der Cafe-Roller an der Kreuzkirche, vor allem wegen der Atmosphäre und – entgegen aller Vorurteile – das Cafetiero in der Innenstadt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gerne, meint Daniel noch und verschwindet hinterm Tresen. Der nächste Gästeschwung stürzt herein. Es geht zu wie im Taubenschlag. Sehr italienisch eben.

 

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Beuel hat’s: die effektivere Sonne

Solarzellen auf einem Dach

In Beuel scheint die Sonne bekanntlich schöner und länger als auf der anderen Rheinseite. Das dachten sich auch acht Bonner und haben ein Dach gesucht und gefunden. Darauf blitzt es nun: das erste Bürgerkraftwerk, bestehend aus 88 Solarzellen-Modulen. Für die Finanzierung erhalten die Acht einen festgesetzten Zinssatz vom Betreiber, dem Vermieter; den produzierten Strom darf der Mieter nutzen, der Bioladen MOMO.

Und weil’s in Beuel so schön ist, wird die Solaranlage am Freitag, 10. Juni, um 15:30 Uhr im Rahmen eines Festes vom Oberbürgermeister in Betrieb genommen. Und weil man von unten nix sieht, gibt’s einen Aufzug, der die Besucher auf das Dach transportiert.

Weitere Infos:
Fritz Pieper für die Solarzelle Bonn im SolarSolutions Network e.V.
c/o Fritz Pieper
Alte Bahnhofstr. 20
53173 Bonn
Tel.: 0228/3041-2414
eMail: bonn[at]SolarSolutionsNet.de

Bonner Locations bei plazaa.de

»Während Städteguides wie Qype und Yelp erwachsen werden und expandieren, entsteht ein neuer Bedarf an persönlichen, handverlesenen Empfehlungen. plazaa will helfen … Ein schlankes Empfehlungsportal, bei der Selektion, Qualität und der soziale Charakter im Vordergrund stehen.«
Martin Weigert, netzwertig.com

Das hört sich schick an. Und das Stöbern nach Locations in Bonn bei plazaa macht Laune. Ich habe mir gleich das goldbraun auf die To-visit-Liste gesetzt, ebenso die Cafébar Macchiato – mal sehen, ob die Tipps was taugen. Der scheinbar absolute Star in Bonn ist die Frittebud. Zu recht natürlich.

Auf den ersten Blick ist plazaa.de eine kleine, feine Empfehlungs-Plattform für Locations in Nordrhein-Westfalen und Umgebung. Der besondere Fokus liegt auf Bonn und Köln. Wobei Bonn beitragsmäßig etwas hinterherhinkt. Wer das ändern will: Einfach mit dem Facebook-Profil anmelden und loslegen.

Was mir sehr gefällt: Durch die Bonner Profile streunen und schauen, wer was empfiehlt – oder eben nicht. Auch, wenn es funktional gar nicht weit von Qype entfernt ist, habe ich den Eindruck, dass die Personen und ihre Empfehlungen etwas stärker im Vordergrund stehen. Mal sehen, wie sich plazaa in den nächsten Monaten entwickelt…

Die erste Bonner Socialbar

… vergangene Woche war ein voller Erfolg. Mit mehr als 50 Teilnehmern schien der Tagungsraum in der Deutschen Welle proppevoll. Zur Premiere der Bonner Socialbar, die Web-Aktivisten, Social Entrepreneurs, NGOs, ehrenamtliche Helfern, Politiker und Unternehmen mit sozialer Verantwortung einen Austausch bieten möchte, hatten Beschäftigte von der Deutschen Welle und Inwent ins Funkhaus am Rhein geladen. Dabei war der Empfang schon sehr rheinisch: Es gab Kölsch vom Fass!


Allerdings auch gleich zu Beginn ein kleiner Wermutstropfen: Der Sevenload-Vortrag fiel ins Wasser, da Axel Schmiegelow, Geschäftsführer (CEO) von sevenload.com und Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) am Flughafen festsaß. Es war geplant, dass Schmiegelow den „Einstieg ins Thema Web 2.0“ macht.

So war es an Daniel Kraft von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) die Socialbar inhaltlich zu eröffnen. Er stellte die Online-Instrumente vor, die die bpb in der Kommunikation einsetzt. Sympatisch offen erklärte Kraft, dass es bei der bpb nicht den einen Social-Media-Masterplan gebe. Es gehe bei derm Umgang mit den Kanälen Twitter, Facebook oder wer-kennt-wen.de immer auch darum, Erfahrungen zu sammeln. „Wir stehen am Anfang eines Lernprozesses“, so Kraft. „Wir lernen, wie wir was und mit welcher Strategie angehen müssen. Wenn wir merken, etwas klappt nicht, dann sollte man auch den Mut haben, sich das einzugestehen und die Strategie zu ändern. Oder sogar das ein oder andere Projekt in dem ein oder anderen sozialen Netz wieder aufgeben.“

Die zweite Runde ging an Gerald Neu, der das Ernährungsportal „das-ist-drin.de“ (DID) betreibt. Das solle Menschen dazu bringen, sich Gedanken über Inhaltsstoffe in Lebensmitteln zu machen“, so Neu. Das Portal ist nach dem Wikiprinzip aufgebaut. Jeder kann mitmachen, Produkte ergänzen, bearbeiten oder neu anlegen und so dazu beitragen, dass die Fülle der auf dem Markt erhältlichen Produkte so umfassend wie möglich abgebildet wird. Auf www.das-ist-drin.de können Nutzer Informationen über Lebensmittel eintragen – von den Zutaten bis hin zu möglichen Unverträglichkeiten.

Er habe die Erfahrung gemacht, dass Lebensmittelhersteller sich vor dem fürchten, was Verbraucher über sie in einem Portal wie das-ist-drin.de schreiben – dies könne sich schließlich auf den Verkauf auswirken. „Was viele Unternehmen auch noch nicht verstanden haben: Ein Angebot wie dieses ist ein Kommunikationskanal – kein Werbekanal.“ Trotzdem ist DID strategisch zwischen Verbraucherschutz-Organisationen hier und Lebensmittelindustrie dort platziert. Auch ein Hersteller kann einen Zugang bekommen und Produkte einpflegen.

Nach den beiden gelungenen Themensessions gab es eine offene Diskussionsrunde:

Es sei wichtig, klare Ziele und Strategien zu definieren, bevor man Aktivitäten im Web 2.0 starte, darauf wies z.B. ein Teilnehmer der Socialbar hin. Man lerne immer dazu und Erfahrungswerte im Web seien wichtig, war die Entgegnung darauf und es wurde – gerade für weniger webaffine NGOs – „mehr Mut zu beta“ und zum Ausprobieren gefordert.

Wie man den Erfolg von Online-Maßnahmen definiert – gerade, wenn man, wie die bpb bildungs- und dialogorientiert unterwegs ist – war eine weitere Frage der Diskussion. Dazu gab es letzte Woche keine letzte Antwort, aber eben die Erfahrung einiger Teilnehmer, dass es vielerorts dieselben Fragen gibt – und man in solchen Runden gemeinsame Antworten finden könne.

Der Abend endete in lockerer Runde vor dem Kölschfass, wobei eine Veranstalterin noch sagte, sie hoffe, es sei für NGOs kein Problem, öffentlich-rechtliches Bier zu trinken. War es nicht. Die Diskussionen gingen dort weiter – mit dem einheligen Votum: Socialbar Bonn? Unbedingt weitermachen!

Es gab auch genügend Teilnehmer, die sich vorstellen konnten, die Bonner Socialbar in ihr Haus einzuladen, so dass in Zukunft vielleicht sogar einen wechselnder Spielort möglich ist.

PS: Die zweite Socialbar steht in den Startlöchern: socialbar.de/wiki/Bonn

Archiv: socialbar.de/wiki/Bonn/Archiv/

Bonner Lichtblick: miaomio

Guter Pop ist eine Kunst, guter Pop aus Bonn ist ein Ding der Unmöglichkeit. Dachten wir. Miao Mio aber zeigen, dass es geht. Am Samstag feiern sie CD-Release im kult 41. Wir raten: Unbedingt mitfeiern! Anika Auweiler (Gitarre, Gesang), Eva Marxen (Bass, Gesang), Sarah Brasack (Keyboard, Gesang) und Sarah Tauscher (Schlagzeug, Gesang) heißen die Damen des Quartetts, die es gerade in die popupNRW Meisterklasse geschafft haben. Gründe genug für uns, mit dem Bonner Fräuleinwunder zu sprechen…

bnlog: Bonn und Pop passen so gar nicht zusammen. Mit Ausnahme von Rheinkultur gibt es vor allem Altherrenrock in kleineren Läden und die eher abgehalftert-langweilige Sommerrunde am Museumsplatz – mit Chris de Burg, Simple Minds. Jetzt kommen vier Ladies mit wunderbarem Indie-Pop und feiern ausgerechnet in Bonn ihre CD-Release. Was ist da falsch gelaufen?

Anika/miaomio: Vielleicht ist in den letzten Jahren ja auch was richtig gelaufen  😉 ! Neben den beschriebenen Szenen gibt es nämlich eine stetig wachsende Indierock und -popszene im Köln/Bonner Raum. Dies liegt auch daran, dass Vereine wie das Bonner Musiknetzwerk relativ günstige Proberäume zur Verfügung stellen und selbst Newkommerwettbewerbe wie den Toys’to’masters organisieren. Dann gibt es da ja auch noch das Kult 41. Hier werden regelmäßig tolle Konzerte zum kleinen Preis geboten. Wer es also weniger konventionell aber doch melodisch mag, erlebt hier ein ziemlich aktive und zum Teil auch erfolgreiche (z.B. Voltaire, Lichter) Szene. Die Quantität von Berlin oder Hamburg kann die Bonner Szene also nicht erreichen,aber wenn man sich mal die wirklich erfolgreichen Bands aus Deutschland anguckt, sind diese ja auch selten hiesigen „Metropolen“ entsprungen…

bnlog: Ok, aber heißt das jetzt miaomio gibt es, weil in Bonn eine Szene gewachsen ist oder weil pokulturelles Brachland gerade dazu einlädt beackert zu werden?

Anika/miaomio: Schon ersteres. Vor allem Eva ist seit Jahren in der Szene aktiv und hat hier schon in vielen Bands mitgewirkt. Zusammen mit Sarah Brasack ist sie Teil der Formation Astrophil & Stella, mit der die beiden auf der Rheinkultur aufgetreten sind. Dort haben sie auch unsere Schlagzeugerin kennengelernt. Die Kontakte von Eva und Sarah waren gerade am Anfang für uns  wichtig, um Konzerte und Unterstützung von anderen Musikern zu bekommen. Jetzt arbeiten wir gemeinsam daran, dass in Bonn weiterhin was passiert, organisieren Konzerte für Bands, tauschen uns mit anderen Bands aus und rocken Bonn natürlich so oft und so gut wie wir können. Bonn zur Popzentrale zu machen wird sicher nicht einfach, es wäre aber schon toll, wenn Bonn oder realisitischer der Raum Köln/Bonn so mit Popmusik assoziiert werden würde, wie z.B. Hamburg oder mittlerweile auch Mannheim. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg!

bnlog: Ähm, Bonn als das neue Mannheim? Kommen wir lieber zu euch – wie und wann habt ihr euch kennengelernt?

Anika/miaomio: Eva kenne ich schon seit Jahren. Wir haben auch mal in der WG zusammengewohnt. Sie und Sarah B. sind ebenfalls eng befreundet. Beim Kaffee kamen wir irgendwie auf coole Frauenbands zu sprechen und es war ziemlich schnell klar, dass wir selber in einer spielen wollen. Die Schlagzeugerin haben wir dann ner anderen Band quasi geraubt. Eva und Sarah B. kannten sie von der Rheinkultur her, wo alle drei mit anderen Bands aufgetreten waren.

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bnlog: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Anika/miaomio: Unsere Musik ist definitiv eher Pop als Rock. Alles weitere entwickelt sich mit jeder Probe mehr zu einer Mischung aus Progpopsongwriterdiscopop – ja, ich glaub, das trifft es ganz gut.

bnlog: Und wie entsteht der Progpopsongwriterdiscopop? Wie läuft das Songwriting?

Anika/miaomio: Das Songwriting ist zunächst mal meist mein Part. Der findet zu hause statt. Entweder gibt es da ein paar Zeilen, für die ich eine Melodie suche, meistens spiele ich aber eine Zeit lang auf der Gitarre und entwickel daraus Stück für Stück eine Songstruktur. Dann folgt der Text. Manchmal kommt der wie aus einem Guss „direkt aus dem Bauch“, manchmal muss erst eine Art Platzhalter her – ich nenne das „Kraweltext“ – der dann später durch passendere Worte ersetzt wird. Das Paket stelle ich der Band vor. Hier geht es in die zweite Phase. Wir spielen mit den Songfragmenten – vor allem der Beat verändert den Song manchmal noch erheblich. So entwickelt sich langsam ein neues Arrangement für das Lied und wird zum Song von miaomio.

bnlog: Am Samstag wird im kult eure erste CD vorgestellt, habt ihr die Produktion vorfinanziert?

Anika/miaomio: Wir hatten einen Finanzier – ein alter Freund von mir. Er heißt Peter VIkanis und ist ein großer Fan der Musik. Mit seiner Unterstützung konnten wir die Platte bei Dirk Baldringer aufnehmen. Der ist z.B. bekannt für seine Fähigkeit aus jedem Verstärker eine Wundermaschine zu zaubern und dafür, Toningeneur der Brings zu sein. Die sind musikalisch gesehen nicht unsere Vorbilder, aber die Platten klingen immer super. Ich finde, Dirk ist das bei unserer PLatte, die wir in nur zwei Wochen aufgenommen haben, auch gelungen.

bnlog: Das hört sich nach einem guten Start an. Wird es im Anschluss eine Tour von euch geben?

Anika/miaomio: Für Anfang Juni steht eine kleine Tour nach Berlin und Leizig an. Ansonsten spielen wir so oft wir können – letztlich könnte man das mittlerweile schon als Tour bezeichnen. Termine gibt’s übrigens unter www.myspace.com/miaomio einzusehen.

bnlog: Fein, wir sehen uns am Samstag, nächstes Jahr dann bestimmt auf der c/o Pop und natürlich als Headliner bei Rheinkultur!

In Concert: Samstag, 09.05.2009, 20:00 bis 22:00 – MIAO MIO + KASSETTE. Kulturförderverein Nordstadt e.V., Hochstadenring 41, Bonn. Eintritt: 5 €