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Alkoholverbot im Bonner Loch

Es gehört zum täglichen politischen Geschäft, um der Sache willen zu übertreiben. Wer sich im Wettkampf um öffentliche Aufmerksamkeit Gehör verschaffen will, bemüht gerne einfache Formeln und Forderungen. Hauptsache plakativ genug. Wenn dazu die Neigung zur Symbolpolitik kommt, sind wir mitten drin im Geschehen um das Bonner Loch .

Seit dem 1. Juli gilt im Bereich des Bonner Lochs zwischen der Straße „Am Hauptbahnhof“ und der Maximilianstraße die Verordnung über ein Alkoholkonsumverbot. Das heißt, dass hier Alkohol in der Öffentlichkeit weder getrunken „noch mit sich geführt werden darf, wenn erkennbar ist, dass er im Geltungsbereich der Verordnung getrunken werden soll“. (Siehe auch: Konzept wider die Sinnhaftigkeit)

Abgesehen von der Frage, wie erkennbar ist, das ich das Bier von der Dönerbude am Bahnhof voraussichtlich „im Geltungsbereich der Verordnung“ trinke: Es zeigt Wirkung. Gestern sah es im Bahnhofsbereich aus wie lange nicht. Die Bebauung natürlich schrecklich wie eh und je, aber davon abgesehen keine Junkies, keine Trinker etc. Denn bei der Symbolpolitik kommt es darauf an, dass man das Ganze auch sofort sieht.

Und man sieht: Ruhe im Karton. Da ich vier Jahre hinter der Cassius-Passage gewohnt hab und die Auswirkungen der Szene am eigenen Hab und Gut erfahren durfte, geht mir bei solchen Scheinlösungen aber der Hut hoch. Weder ist das Alkohol- oder Drogenproblem der Betroffenen damit gelöst, noch ist den Bonnerinnen und Bonnern damit geholfen. Die Szene, die vorher lokal eingrenzbar und sowohl von Sozialarbeitern betreut als auch von Polizei und Ordnungsamt beobachtet werden konnte, ist in alle Winde zerstreut. Na, in fast alle. Der Hofgarten (vor allem die Kaiserplatzseite) erfreut sich einer neuen Klientel, ebenso die Kölnstr. am Johanneskreuz oder die Poppelsdorfer Allee. Florian Berger hatte es schon im April so vorausgesagt. Das sind Ecken der Stadt, die in den letzten zwei bis vier Jahren schon mehr und mehr frequentiert wurden von Trinkern und Junkies.

Damit wurde das Problem nicht gelöst, sondern verschoben in andere Stadtteile. Die Stadt Bonn, die Polizei und die caritativen Organisationen bieten zwar Hilfe und Anlaufstellen für die Alkoholkranken. Aber genau diese Arbeit wurde durch die Vertreibung erschwert, denn die Wanderungen scheinen nicht so zu verlaufen, wie sich die Stadt das wünscht. Einfacher ist es, dahin zu gehen, wo Alkohol getrunken werden kann. Als Raucher geh ich auch nicht zur Suchthilfe, sondern such mir trotz Verbot Möglichkeiten zu rauchen…

Aber: Es ist eben nicht der Sinn von Symbolpolitik die Probleme anzugehen, sondern den Eindruck zu vermitteln als ob. Meine Meinung.