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Joethe statt Plastik

„Auf jedem Schiff, das dampft und segelt / Ist einer, der die Waschfrau vögelt“. Also sprach der Dichter (in den großartigen Tabu II, 21. Juli 1971). Weil aber besagter (& grandioser) Dichter nun auch schon tot ist, geht’s dem Dampfschiff ebenfalls an den Kragen. Dem letzten seiner Art auf dem Rhein.

Noch bis zum 5. Oktober fährt der größte Seitenraddampfer Deutschlands, die Goethe der Köln-Düsseldorfer, auf der Strecke von Koblenz nach Rüdesheim am Rhein. Samt seines dampfenden Herzens. Das soll anschließend herausgerissen und durch einen profanen Dieselmotor ersetzt werden. Plastik. Bestimmt ökologischer und so. Aber im Vergleich: Plastik.

Wer also die (eigentlich heißt es: den) Goethe noch einmal unter Dampf sehen mag: Samstag oder Sonntag ab 9 Uhr zur Koblenzer Ablegestelle am Konrad-Adenauer-Ufer! Ich bin vor zwei Wochen eingeladen worden und es wurde im Laufe der Tour sehr voll. Darum sollte man die Tickets vielleicht besser vorbestellen. Außerdem wäre eine Decke empfehlenswert…

Auf der „Goethe“ geht es dann von Koblenz aus leicht ruckelnd durch das Unesco Welterbe Mittelrheintal, vorbei an Rheinstädtchen, alten Schlössern und Burgen, gut erhaltenen Burgruinen und steil zum Rhein hin abfallenden Weinbergen. Loreley inklusive. Hier dann bitte nicht erschrecken, wenn die Japaner aufspringen und Heines Loreley intonieren. Macht man so…

Zur Historie:

Die „Goethe“ wurde 1913 auf der Werft „Gebrüder Sachsenberg“ in Köln-Deutz als Halbsalongüterschiff gebaut. Hinten befand sich der Salon für die Gäste, auf dem vorderen Teil wurden Waren transportiert. 1925 wurde die „Goethe“ dann zu einem reinen Personenschiff umgebaut. Den 1. Weltkrieg hat das Schiff schadlos überstanden, im 2.Weltkrieg gab es 1945 einen Bombenvolltreffer. Das Schiff versank bei Oberwinter im Rhein. 1949 wurde es gehoben und 4 Jahre später erneut in Fahrt genommen. Gefeuert wurde damals mit Kohle, 1955 die Umstellung auf Ölfeuerung. Um höhere Fahrgeschwindigkeiten zu erreichen, wurden erstmals bei einem Schiff dieser Größe auf dem Rhein in erheblichem Umfang Leichtmetalle für die Aufbauten verwendet. Die „Goethe“ erhielt damals den Zusatz „Expressdampfer“.

Innen gibt es teilweise ein Art-Déco-Ambiente, das an die „goldenen“ 20er Jahre erinnert. Insgesamt verfügt die „Goethe“ über 600 Sitzplätze. Alle Räume sind behindertengerecht ausgestattet und klimatisiert. Oberhalb der Schaufelräder gibt es rechts und links gibt es Freiluftdecks.

Offen bleibt die Frage, was mit der Waschfrau nach der Umrüstung geschieht…

Siehe auch: WDR – Goethe lässt Dampf ab