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Warum man seinen Kaffee nicht im Einstein trinken sollte.

Guter Kaffee „to go“ ist wirklich eine Sache, für die ich mich richtig begeistern kann. Ein schöner, großer Pappbecher mit duftenden und dampfendem Kaffee plus einem schönen Häubchen geschäumter Milch ist für mich, seit Kaffee sein „Melittafiltertüten mit Aromaporen-Exil“ verlassen hat, zu einem kleinen Stück Alltagsluxus geworden.

Irgendwie reicht mir schon der Becher in der Hand. Der muss natürlich nett aussehen und eine ansprechende Größe haben – bleib mir weg mit diesem Futzelbecherchen von Tchibo – aber in dem Moment in dem man mir diesen Becher in die Hand drückt, geht’s mir besser. Eine gewisse Entspannung setzt unmittelbar ein, selbst im Vorweihnachtsgeschäft und mitten in der Stadt. Es ist ein wenig, als würde der Becher in meiner Handfläche einen Mute-Button aktivieren, der für eine Weile das ganze Heckmeck um mich herum auf Lautlos schaltet.

Aus diesem Grund und da ich zu allem Überfluss nur wenig Kaffee vertrage, zelebriere ich meinen Kaffee to go natürlich. Wie gesagt, Tchibo kommt mir nicht in den Becher, Backshop-Shop oder Tankstellen-Kaffee sowieso nicht, mit Cafetiero werde ich auch nur bedingt warm. Hingegen bin ich durchaus ein Starbucks-Fan, aber es gibt auch guten Kaffee ab davon, beispielsweise im Cafe Cultura auf der Friedrich-Breuer-Str. in Beuel, im Cafe Podcast oder im Petit Cafe in der Thomas-Mann-Str. (dazu gibts in Kürze hier mehr), darüber hinaus ist der Illy Kaffee bei Häagen Dazs sehr gut und dann gibt’s da noch den vom Einstein. Letzterer ist wirklich gut. Kann man nicht anders sagen und wenn man masochistisch veranlagt ist, dann bringt es einem vermutlich auch eine gewisse Zusatzbefriedigung seinen Kaffee beim Einstein zu holen, wenn nicht, dann wirds vermutlich schwer…

Jetzt mal Hand auf´s Herz? Wo hat man denn jemals ausserhalb von Berlin eine so unglaublich unfreundliche Bedienung erlebt (die noch dazu jeden Charme von Berliner Schnauze entbehrt)? Es ist mir ein Rätsel, wie es sein kann, dass da eigentlich immer wenn man dran vorbei geht eine lange Schlange vor der Theke steht, ja der Kaffee ist gut, aber was ist mit dem Erlebnis?

Als kleines Beispiel: Vor mir hat kürzlich eine Frau einen mittleren Cappuccino und einen Ingwer-Cookie bestellt, ich wollte einen kleinen Chai-Latte (zum Mitnehmen). Beide hatten wir bestellt, die erste Bestellung wurde weitergebrüllt (5cm Raum bis zum Mitarbeiter an der Kaffeemaschine, aber man könnte meinen es läge ein Fussballfeld da zwischen), die zweite Bestellung wurde weiter gebrüllt: „Ein Medium Chai Latte zum hier trinken.“ Ich habe reklamiert, dass ich erstens einen kleinen wollte und zweitens den Chai gern mitnehmen würde. Schnaufen. „Der Chai ist jetzt zum Mitnehmen. 2,80 bitte!“ Rückfrage aus dem Hintergrund: „Ist der Cookie dann jetzt auch zum Mitnehmen?“ Ich wollte immer noch einen kleinen für 2,30 und keinen Cookie, die Frau vor mir schon, sie bekam ihn nicht. Schnaufen. „Der Chai zum mitnehmen ist jetzt ein kleiner Chai zum Mitnehmen.“ Daraufhin wieder die Frage nach dem Cookie, den ich immer noch nicht wollte und den die Frau vor mir immer noch nicht bekam, bezahlt hatte sie natürlich schon. Macht nichts. Ich bekam meinen Chai und einen Cookie auf einem Teller mit der Frage ob ich den nicht auch mitnehmen wolle. Wollte ich nicht. Aber einen Deckel für meinen Becher vielleicht? Jetzt nicht! Denn es gilt erstmal herauszufinden, wer den Cookie bekommt. Die Frau vor mir, endlich. Erleichtert und dankbar. Ich musste mir derweil vom Rücken meiner Bedienung anhören, dass Kunden wie ich ja das letzte seien. Mittlerer Chai hier, dann mitnehmen, dann kleiner Chai und schließlich noch die Sache mit dem Cookie. Gute Frau, ich kann Dir nur sagen, sei dankbar, dass meine Hand einen Mute-Button hat. Sonst hättest Du jetzt einen lauwarmen kleinen Chai zum Mitnehmen im Kreuz.Vor mir wartete die Frau mit dem Cookie immer noch auf ihren Cappuccino, wahrscheinlich steht sie immer noch da….

Ganz im Ernst Leute, das klappt so nicht auf ewig. Neben vielen kleinen Läden, in denen man in Bonn mittlerweile einen wirklich anständigen „Coffee to go“ bekommt, gibt´s in der Stadt zwei Starbucks-Läden, einen Cafetiero und zumindest akzeptablen McDonalds Kaffee an fast jeder Ecke. Wenn ich schon 3-4 € für meinen Kaffee (oder Chai) bezahle, dann kann ich dafür doch zumindest ein Minimum an Freundlichkeit erwarten? Ich will Euch doch gar nichts. Im Gegenteil. Ich mag Euren Kaffee und ich komme zu Euch um meinem persönlichen Kaffeeritual zu huldigen. Aber damit ist jetzt erstmal Schicht. Wenn ich mich anpöbeln lassen will, fahr ich nach Berlin, die wissen wenigstens wie das geht.