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Auf die Länge kommt’s nicht an

Was wäre Bonn ohne den Rhein. Oder der Rhein ohne Bonn, wo er sicherlich am schönsten ist. Aber nicht alles ist so wie es scheint: die Süddeutsche Zeitung berichtete:

Generationen von Schülern haben gelernt, dass der Rhein 1320 Kilometer lang sei. Nun zeigt sich: Deutschlands wichtigster Fluss ist fast 100 Kilometer kürzer.

(Foto ist entstanden bei unserer Fotosession im Posttower, sorry wegen der Reflexe in der Glasscheibe.)

Rheinsteig

rheinsteig

Das Wetter am Samstag hat es möglich gemacht: wir waren wandern. Die Entscheidung fiel auf den in Bonn startenden Rheinsteig, der als Fernwanderweg unsere Stadt mit Wiesbaden verbindet. Vorab gut informieren und eine Teilroute wählen kann man auf der anschaulichen Website zum Weg, wo es die Teilstrecken sogar als GPS-Daten zum Download gibt. (Irgendwie lustig ist auch die Aufstellung von Verkehrsbehinderungen unter der Rubrik Wegemanagement.)

Wir wählten die Strecke St. Goarshausen nach Kaub, die alle Sterne in der Rubrik erlebniswert hat. Mit ihren 6 Stunden, gut 22 km und 823 Höhenmetern wird sie als Königsetappe beschrieben. Schließlich hat man auch die Loreley inklusive. Es war eine gute Wahl: es gab eine Herbstwanderung, die mit den bunten Blättern der Weinreben und Bäume nicht hätte schöner sein können. Jedenfalls wenn man das Glück von Sonne und fehlendem Niederschlag hat. Tolle Ausblicke und Perspektiven und die Erkenntnis, dass man von Bonn gar nicht weit fahren muss, um Urlaubsfeeling (und Muskelkater) zu bekommen. Wer ein bisschen Mogeln will, erspart sich die erste Stunde mit dem Auftstieg zum Patersberg mit dem Dreiburgenblick. Danach muss man nämlich wieder ganz runter ins Tal, um gleich im Anschluss wieder ganz hoch kraxeln zu müssen.

Im Resümee ein prima ausgezeichneter (weißes R auf blauem Grund), reizvoller Wanderweg, von dem wir sicher nicht die letzte Etappe gewandert sind.

Schattenstrand

Es muss ja nicht immer der Stau auf dem Weg zur Nordsee sein, wenn man mal Sand und Wasser braucht. Wir haben die letzten Tage genutzt, lokale Möglichkeiten auf familientauglichkeit zu testen.

Die Recherchen haben uns zum Otto-Maigler-See verschlagen. Obwohl wir an einem Samstag da waren, war der Strand dicht besetzt. So muss Strandurlaub in den Schulferien sein. Kinder stört sowas ja nicht, aber wir hätten es gerne etwas beschaulicher gehabt.

Also nochmal näher geschaut. Wenn richtig Sommer ist, muss man am Ostufer des Rheins in der Sonne brutzeln. Kindgerechter sind die Strände in Mehlem auf Höhe der Niebelungenstraße in Mehlem: Bäume geben hier Schatten bis an den Rand des Rheins. Und während die Kinder planschen hat man Ausblick auf Weinberge, Schloss Drachenburg und Drachenfels. Wie im Urlaub …

Strand in Bonn-Mehlem

Joethe statt Plastik

„Auf jedem Schiff, das dampft und segelt / Ist einer, der die Waschfrau vögelt“. Also sprach der Dichter (in den großartigen Tabu II, 21. Juli 1971). Weil aber besagter (& grandioser) Dichter nun auch schon tot ist, geht’s dem Dampfschiff ebenfalls an den Kragen. Dem letzten seiner Art auf dem Rhein.

Noch bis zum 5. Oktober fährt der größte Seitenraddampfer Deutschlands, die Goethe der Köln-Düsseldorfer, auf der Strecke von Koblenz nach Rüdesheim am Rhein. Samt seines dampfenden Herzens. Das soll anschließend herausgerissen und durch einen profanen Dieselmotor ersetzt werden. Plastik. Bestimmt ökologischer und so. Aber im Vergleich: Plastik.

Wer also die (eigentlich heißt es: den) Goethe noch einmal unter Dampf sehen mag: Samstag oder Sonntag ab 9 Uhr zur Koblenzer Ablegestelle am Konrad-Adenauer-Ufer! Ich bin vor zwei Wochen eingeladen worden und es wurde im Laufe der Tour sehr voll. Darum sollte man die Tickets vielleicht besser vorbestellen. Außerdem wäre eine Decke empfehlenswert…

Auf der „Goethe“ geht es dann von Koblenz aus leicht ruckelnd durch das Unesco Welterbe Mittelrheintal, vorbei an Rheinstädtchen, alten Schlössern und Burgen, gut erhaltenen Burgruinen und steil zum Rhein hin abfallenden Weinbergen. Loreley inklusive. Hier dann bitte nicht erschrecken, wenn die Japaner aufspringen und Heines Loreley intonieren. Macht man so…

Zur Historie:

Die „Goethe“ wurde 1913 auf der Werft „Gebrüder Sachsenberg“ in Köln-Deutz als Halbsalongüterschiff gebaut. Hinten befand sich der Salon für die Gäste, auf dem vorderen Teil wurden Waren transportiert. 1925 wurde die „Goethe“ dann zu einem reinen Personenschiff umgebaut. Den 1. Weltkrieg hat das Schiff schadlos überstanden, im 2.Weltkrieg gab es 1945 einen Bombenvolltreffer. Das Schiff versank bei Oberwinter im Rhein. 1949 wurde es gehoben und 4 Jahre später erneut in Fahrt genommen. Gefeuert wurde damals mit Kohle, 1955 die Umstellung auf Ölfeuerung. Um höhere Fahrgeschwindigkeiten zu erreichen, wurden erstmals bei einem Schiff dieser Größe auf dem Rhein in erheblichem Umfang Leichtmetalle für die Aufbauten verwendet. Die „Goethe“ erhielt damals den Zusatz „Expressdampfer“.

Innen gibt es teilweise ein Art-Déco-Ambiente, das an die „goldenen“ 20er Jahre erinnert. Insgesamt verfügt die „Goethe“ über 600 Sitzplätze. Alle Räume sind behindertengerecht ausgestattet und klimatisiert. Oberhalb der Schaufelräder gibt es rechts und links gibt es Freiluftdecks.

Offen bleibt die Frage, was mit der Waschfrau nach der Umrüstung geschieht…

Siehe auch: WDR – Goethe lässt Dampf ab